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Kleidung – näher zum Licht

Farbgeschichte – von Schwarz zu Bunnttönen

 

Seit ich im Jahr 2010 den mehr oder minder bewussten Entscheid getroffen habe, nur noch schwarze Kleidung zu kaufen, lebte ich einige Jahre gut damit. Sehr gut sogar. Alles passte zusammen, war minimalistisch, pur und schlicht. Ich mochte das Einhüllende und die Dichte der schwarzen Farbe und fühlte mich in der gefühlten Ritterrüstung so richtig geborgen. Bis ich im Jahr 2016 erstmals mit einem heftigen und unerklärlichen Farbhunger konfrontiert wurde. Ich hatte so Lust auf bunte Farben und probierte einiges aus. Einige Monate schöpfte ich aus meiner Winterpalette (rein, kühl, dunkel), dann nach einer weiteren Analyse im Sommer 2016 aus einer individuelle Sommerpalette (getrübt, mitteltonig bis dunkel, neutral). Ich ging neugierig und spielerisch auf die Farben zu, gab viel Geld aus für neue Teile und entsorgte das Schwarz im Second Hand und im Brockenhaus.

 

Farbe ja, aber welche?

 

Bald aber fühlte ich mich weder in den Winterfarben noch in der Sommerpalette wohl. Selbst Farb- und Modestilberaterin, konnte ich für mich keine gute Lösung finden. Ich bin ein introvertierer, hochsensibler Mensch, der das Verhaltene und die leisen Töne liebt. Mein Gefühl war, dass die bunten Winterfarben mich anschreien, sie sind viel zu laut für mein Wesen. Mit der Sommerpalette fühlte ich mich wohler, doch ich vermisste das einfache Kombinieren, das ich mit schwarzer Kleidung so bestechend unkompliziert fand. So flüchtete ich mich immer wieder aus Gewohnheit, aus Lust am Minimalismus und der Einfachheit halber in die unbunten Farben und beschränkte mein Kleiderschrankinhalt auf Grau, Schwarz und Marine. So ging das wie eine Schaukel hin und her, von bunt zu unbunt und zurück.

 

Lichtvolles tut der Seele gut

 

Zurzeit habe ich wieder eine Phase, in der ich heller und leicht bunte Farben bevorzuge. Das mag mit den Frühling zusammenhängen, oder aber mit der Tatsache, dass mir das Schwarze zu nahe an der Depression liegt. Ich habe Lust auf Licht, Leben und Lebensfreude! Und wer verkörpert das besser, als feine bunte Farben? Schwarz ist schön, zweifelsohne, und eine gute Wahl. Doch auf Dauer wurde mein System irgendwie einseitig ernährt. Ich brauche Farben, weil sie mich auf einer feinstofflichen Ebene etwas geben. Irgendwie scheint mir mein Inneres seit zwei Jahren diese Information geben zu wollen. Ich aber fliehe immer wieder ins minimalistische Dunkel, weil mir das gefällt und meinem ästhetischen Empfinden besser entspricht. Nun versuche ich, konzeptfrei nach meinen Vorlieben Farben zu finden, die mir gut tun und in denen ich mich auch noch anschauen mag.

 

Nicht in Schwarz sterben

 

Da der Farbhunger immer wieder kommt, und sich nicht dauerhaft durch die unbunten Farben vertreiben lässt, versuche ich nun, mich damit auszusöhnen. Der Konflikt zwischen Fühlen und Sehen ist ein alter in meinem Leben. Ich nähere mich der Farbe an, gewöhne mich an sie, versuche es erst mit leisen Tönen wie Greige, Stein, Hellgrau, Nussbraun und Kümmel. Aber es hat auch ein Gelb Platz! Es gibt mir ein ganz neues Körpergefühl, hellere und etwas buntere Kombinationen zu kreieren. Vor kurzem stieg in mir in einem lichten Moment der Gedanke auf: „Ich möchte nicht Schwarz sterben.“ Das zeigt mir, dass da noch eine Entwicklung möglich ist. Ich habe mich vor über 20 Jahren der Farbe verschrieben und mich mit meinem Beruf als Farbgestalterin und Künstlerin ausgelebt. Irgendwie fände ich es schade, der Farbe nach so langer Zeit den Rücken zu kehren.

 

Mehr zu Bekleidung im Archiv: hier.

 

Tipps für die einfache Garderobe findest du hier und hier.

 

Und jetzt du:

 

Kennst du diese Schwanken zwischen bunt und unbunt?

 

Welche Farben hat dein Kleiderschrankinhalt?

 

Bist du eine Schwarz-Liebhaberin oder ein bunter Vogel?

 

Hattest du eine persönliche Farbberatung?

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Franz (Freitag, 04 Mai 2018 08:34)

    Schön geschrieben.
    Einen wunderbaren Tag

  • #2

    Karin (Freitag, 04 Mai 2018 16:00)

    Liebe Barbara
    Ich habe mich sehr gefreut diese Zeilen zu lesen. Für mich ist die Abkehr von schwarz klar ein Entwicklungsschritt <3 mein Schrank kennt nur schwarze Slips, ansonsten von weiss (das leider weiss geworden ist, als Baumwolle ecru gekauft) über rosa, meine Lieblings-Blusenfarbe Bordeaux, hell- und dunkelblau, blaugrau schiefer und anthrazit. Ich wollte vor einem Jahr kurze Hosen in einem kalttonigem Gelb kaufen. Das biss sich aber so sehr mit dem Teint, dass ich es sein liess. Muss mal mit langen probieren oder besser sein lassen. Mir würde es zusammen mit Hellgrau aber extrem gefallen. Ich fühle mich in Sommerfarben am wohlsten. Auch die BHs haben diese Farben hihi