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Minimalismus als Schutzstrategie

Allgemeine Gründe für den Minimalismus

 

Für den Minimalismus spricht vieles. Sei es der verminderte Konsum zum Schutze des Planeten, sei es die Besinnung auf das Wesentliche oder sei es die neu gewonnene Übersicht über den eigenen Besitz. Minimalismus hat viele Vorteile, die sich unter anderem darin äussern, sich seiner Werte mehr bewusst zu werden und diese besser leben zu können. Minimalisten lieben in der Regel die Freiheit, die sie durch die Reduktion ihrer Dinge und Tätigkeiten gewonnen haben.

 

Persönliche Gründe für den Minimalismus

Meine persönlichen Gründe für den Minimalismus sind folgende: Mir gefällt der gestalterische Minimalismus. Ich liebe also die optische Reduktion der Dinge, mag es pur und schlicht. Das wohl auch, weil ich hochsensibel bin. Reizarmut spricht mich an und beruhigt mich. Dann gefällt es mir, wenig Geld auszugeben und unabhängiger zu sein. Je weniger ich brauche, umso weniger muss ich verdienen und umso freier kann ich meine Lebenszeit gestalten. Was nicht heisst, dass ich nicht gerne arbeite. Ich mache aber einfach am allerliebsten mein Ding, ob es nun Geld bringt oder nicht. Weiter schrieb ich mal in einem Blogeintrag, dass ich es schätze, die Kontrolle über die Dinge zu haben und nicht umgekehrt. Und genau hier setzen meine neuen Gedanken zum Thema an: Was liegt hinter dem offensichtlichen Grund, warum ich mich für den Minimalismus entscheide?

 

Minimalismus und das Bedürfnis nach Kontrolle

Ich habe etwas tiefer geforscht und ausgehend von oben genanntem Satz über mein Bedürfnis nach Kontrolle nachgedacht. Um unangenehme Gefühle wie Unsicherheit, Verlorenheit und Ausgeliefert sein abzuwehren, gebe ich meinem Wunsch nach Kontrolle nach. Minimalismus ist ein hervorragendes Werkzeug, seine Umgebung zu kontrollieren und zu gestalten. Ich kann so die Angst, im Chaos unterzugehen, vom Durcheinander verschluckt zu werden, in Schach halten. Dadurch kann ich mich sicher fühlen. Unter diesem neu gewonnen Aspekt erscheint mir Minimalismus in einem anderen Licht. Vor allem, wenn man nicht damit aufhören kann, zu minimalisieren.

 

Stetiges Minimalisieren – was ist der Zweck?

Meines Erachtens ist der Prozess des Minimalisierens nach einer gewissen Zeit grösstenteils abgeschlossen. Es ist meiner Erfahrung nach kein Thema, das mich mein ganzes Leben lang beschäftigten kann. Es ist eine Haltung, die ich einnehme und die anfänglich einen gewissen Aufwand erfordert. Ich entrümple und kämme all meine Lebensbereiche auf Überflüssiges durch. Ich reduzieren meinen Konsum, damit ich nicht immer wieder neu entrümpeln muss. Ich optimiere mein Leben, und dann hat das mal wieder für eine Weile Bestand. Bis sich meine Bedürfnisse erneut verändern und eine Anpassung nötig machen. Wenn ich mich aber stetig mit der Optimierung meiner Umgebung beschäftigen muss, dient der Minimalismus noch einem anderen Zweck. Er lenkt mich ab vor unguten Gefühlen. Und kann wie eine Sucht, denselben Zweck erfüllen.

Loslassen und zulassen

Stimmen meine Überlegungen, verliert die stetige Beschäftigung mit dem Thema Minimalismus an Attraktivität für mich. Denn ich möchte zwar immer noch schlicht wohnen und ein einfaches Leben führen. Aber ich möchte mich nicht mehr intensiv mit einem bestimmten Thema – dem Minimalismus – beschäftigen, wenn ich damit vermeide, mit unangenehmen Gefühlen in Kontakt zu treten. Mein Bestreben ist es, in Verbindung mit mir zu sein. Deswegen sitze ich jeden Tag auf meinem Kissen und höre meinem Herz zu. Ist Minimalismus eine Strategie, dies zu verhindern, werde ich zukünftig darauf verzichten. Ich habe vor, die Kontrolle etwas loszulassen, in ganz kleinen Bereichen Chaos zuzulassen und die damit verbundenen Gefühle anzunehmen. Wie so oft im Leben, kann ich etwas verabschieden, das ich es nicht mehr brauche, weil ich dahinter gesehen habe.

Ungesunde Extreme vermeiden

Das Pendel wird nun auch nicht in die andere Richtung ausschlagen, sondern ich versuche, dem Thema weniger Aufmerksamkeit zu schenken, etwas Luft zwischen mich und den Minimalismus zu lassen und ungeordnete Zustände zuzulassen, auch wenn sie etwas Unbehagen bei mir auslösen.

Im Grossen und Ganzen habe ich alle Lebensbereiche einer Minimalisierung unterzogen, verschiedenes ausprobiert und verworfen und inzwischen meine aktuelle Wohlfühlzone gefunden.

 

Was denkst du über Minimalismus als Schutzstrategie?

 Alles Liebe, Barbara

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Franz (Freitag, 01 Juni 2018 10:37)

    Danke Dir für den wunderbar geschriebenen Text.

    Spannende Selbstreflexion.

    Schön habe ich Dich kennengelernt.