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Minimalismus - ein Label?

Gleichgesinnte gefunden

 

Seit rund drei Jahren kenne ich den Begriff Minimalismus aus dem Internet. Minimalistisch war ich aber schon mein ganzes Leben lang. Ich hatte nie Freude daran, viel zu besitzen und entrümpelte immer mal wieder und trennte mich leicht von überflüssigem Zeug. Seit 2015 weiss ich nun, dass es eine Bezeichnung für diesen Lebensstil gibt. Ich freute mich damals, dass es anscheinend Gleichgesinnte gab, die ähnlich lebten und vergleichbare Werte hatten wie ich. Ich fühlte mich wohl mit diesem Label, und da ich gerne etwas «richtig» mache oder es sonst lasse, bemühte ich mich, eine «gute» Minimalistin zu sein. Das Thema faszinierte mich immer wieder aufs Neue und ich entdeckte noch mehr Bereiche, in denen ich vereinfachen konnte.

 

Bis in die Wohlfühlzone und darüber hinaus

Doch mit der Zeit veränderte sich meine Haltung zum Thema. Ich mochte mich nicht mehr so stetig damit beschäftigen und merkte, dass meine persönliche Wohlfühlzone mit minimalisieren erreicht war. Trotzdem versuchte ich, weiter auf dem Weg zu gehen und noch mehr zu vereinfachen. Ich machte Pflege- und Haushaltsprodukte selbst, und verzichtete dabei auf den Komfort, die ein Bioprodukt aus dem Laden bietet. Ich entrümpelte, bis ich nur noch gut 500 Gegenstände besass. 80 davon waren Kleider und Schuhe. Ich versuchte weiterhin, Themen für meinen Minimalismus Blog zu recherchieren und auszuprobieren. Doch in mir regte sich eine leise Stimme, die langsam genug hatte. 

Den Minimalismus in Frage stellen

 

Genau zum richtigen Zeitpunkt fiel mir das Buch von Stefanie Stahl mit dem Titel «Das Kind in dir muss Heimat finden» zu.  Die darin beschriebenen Schutzstrategien machten mich darauf aufmerksam, dass Minimalismus in meinem Fall ein Kontrollmechanismus darstellt, dem ich nicht unbedingt mehr nachgeben will. Ich stellte den Minimalismus in Frage. Das Label, mit dem ich mich lange Zeit wohlgefühlt hatte. Ich stellte fest, wenn ich ehrlich in mich hinein hörte, hatte ich genug vom stetigen Optimieren und Vereinfachen von Prozessen. Es darf auch einfach mal gut sein, so wie es ist. Oder ich kann mich wieder verändern in eine neue Richtung. Ich habe mehr Lust auf Farbe (Minimalisten tragen schwarz und wohnen weiss!) und mehr Lust auf Sinnliches (Minimalisten sind pur und schlicht!). Und keine Lust mehr auf selbst auferlegte, enge Richtlinien. 

Panta rhei – alles fliesst

Da sich alles verändert im Leben, hat sich auch dieser Blog verändert. Er wird sich vom Minimalismus weg hin zum bewussten Leben, der Innenschau und der Achtsamkeit entwickeln. Dies sind Themen, die mich schon seit vielen Jahren begleiten, und mit denen ich auch längerfristig etwas anzufangen weiss. Diese Reise endet erst mit dem Tod, und vorher lohnt es sich, immer mehr zu entdecken und das Herz zu öffnen für neue Erkenntnisse. 

Ich mag nach wie vor ein einfaches Leben, optische Stille akzentuiert mit einigen spritzigen Farbtupfern und unkomplizierte Abläufe. Aber nun geht es für mich darum, den Minimalismus loszulassen und wieder frei zu werden.

 

Und du, fühlst du dich der Welt der Minimalisten zugehörig?

 

 Alles Liebe, Barbara

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Richard (Freitag, 08 Juni 2018 13:00)

    Deine Empfindungen für den Minimalismus finde ich wunderbar, denn wie du sagst: "Panta rhei"! Dazu entdeckte ich mal einen wunderbar ehrlichen Satz von einem Musiker, der sagte: " Die einzige Konstante im Leben ist DIE VERÄNDERUNG"
    Mit dem Minimalismus kann man sich im jeden Fall an seine jeweilige Lebenssituation anpassen.

  • #2

    Monica (Freitag, 08 Juni 2018 14:54)

    Liebe Barbara
    Nur wer sich ändert bleibt sich treu (dieses Zitat wird ganz verschiedenen Quellen zugeordnet) und ich bewundere deine Offenheit, neue Wege zu gehen. Ich habe beim Lesen deines Blogs zunehmend eine Wegbewegung von der Farbenwelt beobachtet und auch einen Hang zur Anstrengung, den ich nie mit deinen frühen Bildern zusammen bringen konnte. Ich hoffe du verstehst meine Zeilen richtig und wünsche dir herzlich offene Augen Monica

  • #3

    Barbara (Freitag, 08 Juni 2018 17:15)

    Liebe Monica
    Danke für deine Rückmeldung. Da hast du recht, schon seit vielleicht vier Jahren bewege ich mich von der Farbe weg. Farbgestaltungen mache ich ebenso lange nicht mehr, die Kunst ist vielleicht auch bald am auslaufen. Das ist erst immer im Rückblick festzustellen. Es gibt noch anderes, was entdeckt werden will in meinem Leben! Und darauf freue ich mich! :-)

  • #4

    Lothar (Freitag, 08 Juni 2018 23:17)

    Ja, ich fühle mich dem Minimalismus, der Selbstbeschränkung, der Möglichkeit, mit Achsamkeit wirklich am LEBEN teilhaben zu KÖNNEN stark verbunden. Es geht hier nicht um eine Sparphilosophie, zu reduzieren, wegzulassen -- sondern um die Chance, frei durch SELBSTBESTIMMUNG zu werden. Es heißt: Besitz belastet. Kurze, prägnant Worte. Aber, was belastet wirklich ? Ich meine, DINGE, Prestigeprodukte, anerzogene WERTE, die seelenlos Anspruch auf Dich erheben. Alles, was mit einem selbst eigentlich nichts zu tun hat. Die Welt der Einstellungen, Meinungen, Wertvorstellungen kommt hier zum Tragen.
    Frei wird der Mensch nur durch seine Menschlichkeit. Die Freiheit, einfach nur Mensch zu sein. Mensch sein zu dürfen, ohne Einschränkung -- dem Zwang, von außen. Deshalb, Selbstbeschränkung, d.h. Befreiung von Zwängen, um einen freien Blick auf das Wesentliche zu erhalten und zu bewahren. Das eigene DASEIN.

  • #5

    Maja (Samstag, 09 Juni 2018 11:08)

    Wunderplunderbar, so lebt sich's gut �