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Veganismus - ein Konzept?

Schubladendenken und Eindeutigkeit

 

In einem meiner letzten Blogartikel sprach ich darüber, dass ich Minimalismus als Label empfinde, mit dem ich mich nicht mehr identifizieren kann. Nun habe ich noch ein zweites Konzept in meinem Leben entdeckt (es gibt wahrscheinlich noch viele!), durch das ich mich in meiner Freiheit eingeschränkt fühle: Veganismus. Vielleicht weil ich mich als freiheitsliebender Wassermann nicht gerne ich eine Schublade stecken lasse, vielleicht weil ich nicht mehr so auf Eindeutigkeit und Konsequenz stehe wie früher. Denn das gab mir Sicherheit und beruhigte mich: Wenn ich eine klare Haltung einnahm und konsequent war oder gar hart, fühlte ich mich geborgen. Entweder oder. Alles andere hatte für mich keinen Wert. Ausnahmen hatten schlecht Platz, Grautöne verwirrten und stressten mich.

 

Im Moment entscheiden

Nun merke ich, dass ich mich trotz meiner geliebten Klarheit mit Ausschliesslichkeiten je länger je schwerer  tue. Ich möchte mehr spielen können, mehr auf meine aktuellen Bedürfnisse eingehen können und aus dem Moment heraus entscheiden, was für mich stimmig ist. Ich möchte ohne schlechtes Gewissen ein Käsesandwich essen können, wenn es auf einem beruflichen Ausflug gerade nichts anderes gibt. Ich möchte die monatelange Suche nach einer  geeigneten Gesichtscreme ohne Bienenwachs aufgeben und auf mein bewährtes Produkt zurückzugreifen, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. Ich habe aber immer noch das alte Denken in mir, das mir sagt, mach es richtig und konsequent, oder sonst lass es bleiben. Wahrscheinlich ist es Zeit, diese alte Stimme zu verabschieden. Eine neue Haltung bedingt aber, dass ich im Moment gegenwärtig bin und in Kontakt mit mir selbst, und nicht auf Autopilot bin.

 

Ausgewogen und vegan?

 

Die Argumentation der veganen Lebensweise überzeugt mich, doch ich kann mich aus folgenden Gründen nicht länger mit diesen Werten identifizieren: Ich befürchte, dass mein Körper nicht die nötigen Stoffe erhält, die er für ein gesundes Leben braucht. Ich nehme nun sechs verschiedenen Nahrungsergänzungsmittel, um meine Mängel auszugleichen. Angefangen von Zink über B12 zu Magnesium, Kalzium, Eisen und Vitamin D. Das kann keine gute Lösung sein. Lieber ist es mir, mir mit einer ausgewogenen Ernährung alle Stoffe zuzuführen, die mein Organismus braucht. Zudem merke ich, dass es mir nicht möglich ist, so wie empfohlen, zu jeder Mahlzeit eine Portion (pflanzliches) Eiweiss zu essen. Soviel Hülsenfrüchte und Tofu kriege ich nicht runter. Da Eiweiss für die Bildung von Serotonin benötigt wird und ein Mangel davon zu Depressionen führen kann, bin ich hiermit besonders achtsam.

 

Variabel entscheiden

Ich verabschiede mich also vom Konzept des Veganismus. So kann ich jetzt, wenn ich an der Kleidertauschparty ein tolles Teil mit 30% Seidenanteil entdecke, dieses Stück mit Freude mit nach Hause nehmen. Ich trage mein neues Uhrenbändeli aus Leder ohne schlechtes Gewissen. Das Konzept der veganen Lebensweise habe ich für mich ernsthaft getestet und nach genau einem halben Jahr für mich entschieden, dass ich wieder einen anderen Weg gehen will. Mein Leben erhält so wieder mehr Leichtigkeit und ich gewinne ein Stück mehr Freiheit zurück. Ein selbst entschiedener, gelebter Kompromiss: Das ist etwas ganz Neues für mich.

 

Mitten in der Veränderung

Mein 50. Lebensjahr hat Veränderungen eingeläutet. Ich muss erst einiges ausprobieren und wieder verwerfen, um herauszufinden, wie ich in Zukunft unterwegs sein will. Und dieser Prozess dauert noch an. Es ist mir, als ob ich mich, meine Bedürfnisse und Werte neu definieren muss und will. Vieles betrachtete ich neu und liess es gehen, wie das Training im Fitnesscenter, ein Teil meiner Maske, zu viel Anpassung, Farbkonzepte, Kaffee trinken, Medikamente gegen meine chronische Krankheit und die intensiven Beschäftigung mit dem Minimalismus.

Dafür wollte anderes neu aufgenommen werden in meinen Alltag: Herzarbeit, die Ausbildung zum Coach, Grau- und Zwischentöne, das innere Kind und die Selbstliebe und - fürsorge.

Was bleiben durfte ist das Meditieren, meine Nackenübungen, das Velofahren, Spaziergänge, Tagebuch schreiben und keinen Alkohol trinken.

Ich habe kein Bedürfnis mehr, mich selbst auferlegten, starren Strukturen zu unterwerfen, nur um mich sicher zu fühlen. Vielmehr möchte ich flexibel auf meine Bedürfnisse reagieren können und mich stetig fragen: Wo geht mein Herz auf?

 

Wie gehst du mit Konzepten, Regeln und Strukturen um?

 

Alles Liebe, Barbara

 

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