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Achtsam essen

Intuitiv richtig

 

Das Buch lachte mich aus dem Bücherschrank meiner bevorzugten Badi an – es leuchtete und ich zog es intuitiv heraus. Mir sprangen zwei Wörter im Titel in Auge: «Achtsamkeit» und «Gleichgewicht». Beides interessiert mich, beides möchte ich mehr in mein Leben ziehen. Ich nahm also das mittelgrosse, weisse Büchlein an mich und legte dafür mein dickes Buch über Ernährung in den Bücherschrank. Auch der neue Inhalt dreht sich um das Essen, und zwar um das achtsames Essen. Das fühlte sich sofort gut an für mich: keine Regeln, keine Diäten, keine Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel, keine Nährstoffempfehlungen, kein Ratgeber. Nur achtsam Essen. Aha.

 

In Kontakt mit sich sein

 

Was heisst das nun, achtsam zu essen? Es heisst, beim Essen wirklich dabei zu sein und es mit all seinen Sinnen wahrzunehmen. Es ist die Entscheidung, ganz im Moment zu sein und diesen auszukosten. Es meint, in Kontakt mit meinem Körper zu sein und seinen Rückmeldungen zuzuhören.

 

Im Detail bedeutet es:

 

Vor dem Essen

 

Kontakt mit dem Körper aufnehmen. Habe ich wirklich Hunger? Wo spüre ich ihn? Ist es eher Gluscht? Was will jetzt essen, mein Körper, oder ist es etwas anderes?

 

Wie sieht das Essen aus? Konsistenz, Farbe, Form…

 

Wo kommt das Essen her? Aus der Region, dem weit entfernten Ausland, aus dem eigenen Garten…

 

Wie riecht das Essen? Steigen Erinnerungen in mir auf? Ahh… dieser schattige Garten im heissen Griechenland von vor 32 Jahren, mit der Vespa unterwegs, Sommer, Sonne, Meer und…: Feta und Gurken.

 

Beim Essen

 

Wie fühlt sich das Essen im Mund an? Mit der Zunge abtasten, fühlen im Gaumen: Weich, hart, gummig, warm, kühl, bröckelig, rau, cremig, knusprig, faserig…

 

Wie ist der Biss? Wieviel Widerstand gibt es zu überwinden?

 

Wie klingt das Zerbeissen?

Wie schmeckt das Essen? Welche Nuancen kann ich herausschmecken? Süss, sauer, bitter, salzig, umami.

Beim Schlucken

Wie fühlt sich das Hinuntergleiten des Essens in der Speiseröhre an?

Kann ich fühlen, wann es im Magen ankommt? An was?

Danach

Welches Gefühl hinterlässt das Essen in meinem Bauch?

Wie bin ich gestimmt nach diesem Essen?

Wie geht es meiner Verdauung?

Fühle ich mich müde oder erfrischt?

Wie ist mein Sättigungsgefühl?

Verblüffende Wirkung

Was jetzt vielleicht wie ein mühsam abzuarbeitender Fragekatalog wirkt, geht bald leicht von der Hand. Es ist ja auch nicht so, dass jedes Essen achtsam eingenommen werden muss. Du wählst und entscheidest, was dir Spass macht. Das mal auszuprobieren beschert aber überraschende Effekte. Du bist viel früher satt und isst deutlich weniger, als wenn du unbewusst das Essen in dich hineinschaufelst. Das sinnliche Erleben ist der Hammer! Das Essen wird ganz neu, ein gehaltvolle Erfahrung, die dir eine gewisse Erfüllung geben kann. Auch kann anscheinend achtsames Essen das Körpergewicht regulieren; untergewichtige Menschen nehmen etwas zu, übergewichtige Menschen nehmen eher ab, bis sich der Körper mit seinem persönlichen Wohlfühlgewicht eingerichtet hat.

Fazit

Ich übe mich nun seit ca. zwei Wochen in achtsamem Essen. Es ist absolut erstaunlich für mich, wieviel kleiner meine Portionen werden. Doch gerade bei grossem Hunger braucht es für mich einiges an Disziplin, nicht zu schlingen. Ich bin hingerissen von den feinen Nuancen, die ich entdecken kann, und ich merke neu, was mir eigentlich schmeckt: Brot zum Beispiel gar nicht so besonders. Zu bröselig und breiig-rau ist mir seine Konsistenz. Ich merke, ich steh extrem auf feine Oberflächen (Tomaten!) und cremige Konsistenzen (Joghurt!). Das Geschmeidige verwöhnt mich.

Auch fällt mir unangenehm auf, dass ich mich fast ständig überessen habe. Ich ass bis mein Magen vollgestopft war und ich gar kein gutes Körpergefühl mehr hatte. Aber dieser Rückmeldung meines Körpers drang nur am Rande in mein Bewusstsein. Ich probiere zukünftig noch etwas aus mit dem achtsamen Essen und ich weiss schon jetzt, dass diese Erfahrung etwas verändert hat bei mir.

Ps: Das Buch heisst übrigens: «Schlank durch Achtsamkeit – Durch inneres Gleichgewicht zum Idealgewicht» von Ronald Pierre Schweppe

 

Alles Liebe, Barbara

 

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