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Über das Loslassen von Dingen und anderen Sachen

Mit leichter Hand: Das Loslassen von Dingen

 

In einer Sache bin ich gut, das denke ich zumindest. Im Loslassen von Dingen. Ich kann seit vielleicht 20 Jahren problemlos meinen Hausrat immer mehr reduzieren und lebe zurzeit mit knapp 400 Gegenständen, so genau weiss ich das nicht. Es fällt mir nicht schwer, mich von Dingen zu trennen und ich erlebe immer wieder ein Gefühl von Befreiung, wenn ich weniger Material um mich herum habe. Ich bin umgezogen in eine kleine 1-Zimmer-Wohnung, weil ich keine Möbel mehr hatte, um den leeren Raum zu füllen. So weit so gut. Ich habe immer wieder reduziert und ausgemistet wollte das Bedürfnis dahinter nicht recht erkennen. Doch klar, nach Freiheit und Leichtigkeit. Aber wo? Im Aussen oder im Innern? Oder in beiden Bereichen?

Depression und festhalten

Nun stiess ich in einem Buch von Rüdiger Dahlke, das ich intuitiv aufschlug, auf die Aussage, dass depressive Menschen nicht loslassen können. Gerade wieder an einer Depression erkrankt, beschäftigte mich diese Aussage. Ich fand, ich könne doch wunderbar loslassen? Ja, materielle Dinge kann ich tatsächlich (fast) alle problemlos gehen lassen. Vielleicht hänge ich etwas an meinen Kleidern – jahrelang und liebevoll zusammengesucht – aber sonst? Mir schwante, dass es da noch anderes geben muss, das ich nicht loslassen kann… Und da tauchte die unangenehme Erkenntnis auf: Ich bin nachtragend. Es gibt da einige Dinge in meinem Leben, die geschehen sind, die ich immer wieder aufwärme und so ein selbst produziertes Drama erneut durchlebe, das mir schadet.

Widerstände verstärken das Anhaften

Beim Beobachten meiner Gedanken entdeckte ich, dass mich das alte Drama immer mal wieder einnimmt und ich haften bleibe an Begebenheiten, die ich nicht verzeihen kann. Da fand ich sehr belastend und quälte mich. Schon so lange wollte ich meine Vergangenheit loswerden! Nichts lieber, als das! Aber es gilt: Was ich ablehne, bleibt.

Ich forschte übers Verzeihen und Loslassen können und was es dazu braucht. Ganz klar, ich kam um das Annehmen nicht herum, sonst würde ich nicht loslassen können. Und annehmen bedingte, anzuerkennen, dass nichts mehr verändert werden könnte. Die Geschichte war Vergangenheit. All die Gefühle von Wut, Hilflosigkeit, Groll, Hass, Ablehnung, Ungerechtigkeit, Zorn, und Trauer wollten gefühlt werden, sollte mir ein Annehmen und damit ein Loslassen gelingen.

Annehmen, was ist

Also setzte ich mich aufs Kissen, und versuchte, mich diesem Thema anzunähern. Es brauchte mehrere Anläufe, und es wird wohl auch noch einige brauchen, bis ich Schritt für Schritt loslassen konnte. An diesen negativen Gefühlen festzuhängen ist wie eine Sucht. Es geht ein starker Sog von ihnen aus. Es ist eine absonderliche Anziehung. Auch kann ich mich definieren über das, was mir «angetan» wurde und mich festzementieren in der Opferrolle. So habe ich eine Identität. Die zwar eng und unfrei ist, aber vertraut. Zurzeit übe ich mich wieder einmal vermehrt im Annehmen von dem, was ist. Das ist übrigens auch einer meiner Vorsätze für das Jahr 2018, den ich etwas aus den Augen verloren habe im ersten halben Jahr. Mein Depression bietet mir dafür ein wunderbares Übungsfeld. Ich konnte den Nutzen einer Depression bis jetzt nie sehen, vielleicht ist sie da, um mich das Loslassen von Vergangenem zu lehren.

 

Wie gelingt dir das Loslassen?

 

Alles Liebe, Barbara

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hilka Le Carvennec (Freitag, 17 August 2018 11:27)

    Es gefällt mir gut, was sie übers nicht materielle Loslassen schreiben. Das materielle Loslassen kann ich nicht so nachvollziehen, da ich als künstlerischer Mensch gerne viele Bücher um mich habe und auch Objekte, die mir Geschichten erzählen. Danke.