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Wohnbedürfnisse

Von Wohnbedürfnissen und der dritten Haut des Menschen

 

Warum es wichtig ist, seine Wohnbedürfnisse zu kennen und warum schöner Wohnen einfach mehr Freude nicht nur in das Leben von Minimalisten bringt.

Denn: Wohne ich wohlig, ist das minimalistisch, weil passend und stimmig. Es macht mich glücklich. Deswegen lohnt es sich auch als Minimalist, sich mit dem stimmigen Wohngefühl zu beschäftigen. Alles was mich nicht glücklich macht, kann weg.

Die gestaltete und ungestaltete Natur wirkt sich in jedem Fall auf unser Wohlbefinden aus, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Mit diesem Umstand befasst sich die Architekturpsychologie seit 1960 und die Wohnpsychologie seit 1970. Räume haben also Macht über uns.

So wirkt auch jede Wohnung, welche als die dritte Haut des Menschen bezeichnet wird (Kleidung gilt als die zweite Haut), auf uns wie auch wir Einfluss auf den Raum nehmen. Jeder kennt das Gefühl, dass er sich in einem Raum spontan wohl, oder aber unbehaglich fühlt. Das kann verschiedene Ursachen haben und wird oft gar nicht bewusst wahrgenommen. Es stellt sich ein Gefühl, eine diffuse Empfindung ein, die sich oft nicht in Worte fassen lässt.

Verschiedenen Gründe für ein mögliches Unbehagen 

Die Gestaltung: Die Wahl der Farben und Materialien und die Lichtsituation sowie die Möblierung trägt einen ganz erheblichen Teil dazu bei, ob uns ein Raum entspricht oder ob wir uns unwohl fühlen. Ein angenehm gestalteter Raum lebt von der Ausgewogenheit und vermeidet Extreme, weist aber einen Spannungsbogen, ein Thema und Verwandtschaften auf, sei es farblicher oder formaler Art. Zum Beispiel befassen sich Innenarchitekten oder Farbgestalter mit der Aufgabe, einen für den Bewohner angenehmen Raum zu gestalten.

Überstimulation: Der Raum ist zu bunt, zu voll, zu unordentlich und bietet dem Auge ein Zuviel an Reizen. Das kann unruhig und nervös machen.

Reizarmut: Selten bietet der Raum dem Betrachter zu wenig Reiz, und das Auge wird zu wenig stimuliert. Der Raum wird als leer und langweilig empfunden.

Alle diese drei Punkte können bei Unausgewogenheit Stress verursachen. 

Wenn die Wohnung schlecht sitzt 

Es gibt verschiedenen Anzeichen, dass wir uns in unserer Wohnung nicht wohlfühlen: Wir nutzen einen Raum oder Bereich kaum. Wir sind diffus unzufrieden mit unserer Wohnung, kommen nicht gerne nach Hause. Wir stellen immer wieder die Möbel um und kommen zu keinem befriedigenden Ergebnis. Wir diskutieren mit Familie oder Wohnpartner über Funktion und Nutzen der Räume und finden keine Lösung. Wir sind durch Zeitschriften, Werbung, Nachbar und Freunde verwirrt und wissen nicht mehr, was wir eigentlich wollen und brauchen. Da uns diese Umstände zermürben können und uns Energie abzwacken, ist es sinnvoll und wichtig, sich seiner Wohnbedürfnisse klar zu werden, sie umzusetzen und unserer Räume anzueignen. 

Aneignen ist mehr als Einrichten 

Diese Aneignung ist ein stetiger Prozess. Da wir uns im Leben weiterentwickeln und uns immerzu verändern, passt die Wohnsituation auf einmal nicht mehr. Es geht darum, sich klar zu werden, was man braucht, was einem gefällt und mit was man sich wohl fühlt. Das ist unter Umständen nicht dasselbe. Es gilt, hier das Wichtigste für sich herauszupicken und die Räume zu seinen eigenen zu machen. 

Wie finde ich nun heraus, was ich brauche? 

Veränderung und neues Wohlfühlen 

Will ich dann meinen Wohnraum optimieren, halte ich erst den Ist-Zustand fest. Dazu eignet sich ein Spaziergang durch die eigenen Räume. Die Umgebung wird wie zum ersten Mal und mit viel Achtsamkeit wahrgenommen. Danach beurteile ich, was gut ist und bleiben darf, und was verändert werden soll. Ich halte also die Wohnprobleme und meine Wohnwünsche fest. 

Funktion und Nutzen 

Denke darüber nach, wie die Funktion und den Nutzen von deinen Wohnräumen ist. Am besten machst du dir ein paar Notizen, was du wo und wie tun willst und von wem der Raum genutzt wird. Das hilft, sich klar zu werden, wie die Räume eingerichtet werden können. 

Wohngeschichte, Wohnideal und Wohnvorlieben 

Es lohnt sich zudem ein Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen. Wo habe ich mich als Kind wohlgefühlt? Welches Element aus dem Elternhaus oder aus Grossmutters Wohnung mag ich heute immer noch und gibt mir ein gutes Gefühl? In welcher Wohnung meiner eigenen Wohngeschichte habe ich mich am wohlsten gefühlt? 

Was ist mein Wohnideal? Wovon ist es geprägt? Welches sind meine Wohnvorlieben? Bevorzuge ich eine Altbauwohnung oder ein Loft? Welchen Wohnstil mag ich? Modern + kühl, pur + natürlich, romantisch + verspielt, farbig + unkonventionell, gemütlich + entspannt oder üppig + intensiv? In der Regel ist der persönliche Wohnstil eine Mischung aus zwei bis drei Stilen. 

Die sechs Wohnbedürfnisse 

Es dient dem schöner Wohnen, sich über folgende Bedürfnisse klar zu werden und zu definieren, welches das wichtigste ist und dieses danach auch umzusetzen. Was muss die Wohnung für mich sein? 

Sicherheit: Die sicherer Höhle, der Adlerhorst, der Hafen im Sturm 

Erholung: Rückzug, Oase der Ruhe, Privatheit 

Gemeinschaft: Kommunikationszentrale, Zusammensein, Geselligkeit 

Selbstdarstellung: Die Visitenkarte, repräsentative Räumlichkeiten 

Gestalten der Umwelt: Umdekorieren, kreatives Wirken und künstlerisches Schaffen 

ästhetische Bedürfnisse: Hort des Schönen, eigene Ästhetik leben 

Acht allgemeine Einrichtungstipps 

1. Weniger ist mehr. Selten weist ein Raum zu wenig Reize auf, ein zu viel an Reize gibt es aber sehr oft. 

2. Licht weitet den Raum und schafft Stimmung. Sei grosszügig damit! 

3. Wähle die Funktion des Raumes gemäss deinem Bedürfnis, nicht so wie es vom Architekten geplant wurde. 

4. Beherbergt ein Raum verschiedene Nutzen, schaffe Zonen. 

5. Nicht das ganze Wohnzimmer auf die TV-Buchse ausrichten. J 

6. Habe Mut und probiere Varianten der Möblierung aus, bis es stimmt für dich. 

7. Schöne Dinge machen glücklich: Umgebe dich mit Dingen, die die wirklich gefallen. 

8. Erfülle dir deine Wohnbedürfnisse.

 

Willst du nun mehr erfahren und im Sinne eines Arbeitsbuches zum Thema forschen, empfehle ich dir folgende Bücher:

  

Ein Zuhause für die Seele“ von Barbara Perfahl

 

„Die Psychologie des Wohnens“ von Uwe Linke

 

In den nächsten vier Blogartikeln werde ich auf verschiedenen minimalistische Wohnkonzepte eingehen und über diese berichten: Wabi Sabi, weisse Räume, Dekoelemente und den gestalterischen Minimalismus.

 

 

 

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