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Selbstoptimierung und Selbstmitgefühl

Der Selbstoptimierungswahn und die Zufriedenheit

 

Manchmal sind wir unzufrieden. Mit der Welt, mit uns. Dann treiben wir uns an, zu besseren Leistungen, zur Verbesserung unsere selbst, als ob wir falsch wären und der stetigen Optimierung bedürften. Wir nehmen uns als schadhaft, unfertig, unzulänglich oder sonst irgendwie nicht ok wahr. Dann wird Diät gehalten um abzunehmen, Sport getrieben um die Leistungsfähigkeit zu verbessern, nach Innen geschaut, um die Persönlichkeit zu bilden. Damit sind wir nie fertig, denn es gibt immer noch etwas zu optimieren. Wir sind also nie am Ziel und stetig am Streben nach einem fernen Punkt irgendwo in der  Zukunft, den, wenn wir ihn denn je erreichen sollten, sofort mit dem nächsten Ziel auszutauschen. Das macht noch mehr unzufrieden, und wir versuchen mehr vom selben, was aber auch keine Zufriedenheit bringt.

 

Aussteigen und das Leben wirken lassen 

Mir geht es manchmal so. Nicht mehr so oft wie früher, immer eher bemerke ich, dass ich aus diesem Karussell aussteigen will. Das Ablehnen des Ist-Zustandes hat etwas Liebloses, ich bin nicht freundlich zu mir, wenn ich mich als stetig verbesserungswürdig ansehe. Es darf auch mal gut sein, so wie es jetzt gerade ist. Das Annehmen der aktuellen Situation weicht diese auf, die Ablehnung fällt weg, und es kann sich leicht und wie von selbst etwas verändern. Wachsen. Ohne Krampf, ohne Anstrengung, einfach, weil ich Lust darauf habe und der Lebensfluss das mit sich bringt. Es ist nicht so, dass alles im Chaos versinkt, wenn wir die Selbstoptimierung loslassen. Im Gegenteil: Die Selbstregulierungskräfte des Lebens können wieder wirken und es kann sich entfalten, wenn ich nicht soviel will und mehr geschehen lasse. 

Mir mein bester Freund sein 

Selbstmitgefühl ist da eine wunderbare Sache. Ich wende mich mir freundlich zu. Schaue, welche Bedürfnisse gerne erfüllt werden möchten. Oft kann ich das selbst für mich tun. Ich begegne mir mit einer annehmenden Zuwendung, mit einem liebevollen Blick auf mich und versuche, mir mein bester Freund zu sein. Mit offenem Herzen für mich da sein. Es ist ok so, wie es ist. Es darf auch mal gut sein. Ich darf mich wohlfühlen, jetzt, und nicht erst in ferner Zukunft, wenn ich abgenommen habe, den Marathon gelaufen habe, mein Selbst ergründet habe. Hm – so lässt es sich viel leichter Leben! 

Ich frage mich in letzter Zeit oft, was kann ich für mich tun? Was täte mir jetzt gut? Kann ich innerlich freundlicher mit mir sein? Wie sind meine Bedürfnisse? Diese Zuwendung zu mir selbst nährt mich und gibt mir das, was ich brauche und lässt mich dadurch eigenständiger werden.

 

Alles Liebe, Barbara

 

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