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Gedanken über Ziele

Zielstrebig, klar und ausgerichtet

 

Im ersten halben Jahr dieses Jahres war ich sehr zielorientiert unterwegs. Ich dachte mir aus und fühlte nach, wo ich gerne hin möchte und begann, meine Ziele Schritt für Schritt umzusetzen. Ich war sehr klar ausgerichtet und überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein. Ich kenne dieses Verhalten an mir, ich sehe dann weder rechts noch links, und will so schnell wie möglich das Ziel erreichen. Den Weg kann ich kaum geniessen, da ich zu Ungeduld neige. Doch wie das Leben so spielt, kam etwas zwischen mich und mein Ziel. Jetzt ist es so, dass das Erreichen meines Zieles auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Hm. Und ich frage mich, ob ich das falsche Ziel angestrebt habe, ob Ziele allgemein nicht erstrebenswert sind, oder ob ich einfach keinen guten Umgang mit Zielen habe.

 

Von A nach B

 

Nun denke ich also mal wieder über Ziele nach. Persönliche Ziele. Überall stösst man auf die Information, dass es wichtig sei, sich Ziele zu setzen, weil man sonst wie ein Blatt im Wind durchs Leben treibt und nie dort ankommt, wo man hin will. Zahlreiche Inhalte von Selbsthilfebücher, Blogs, Youtube-Videos sind so ausgelegt, sogar in meiner Ausbildung zum Coach ist die Zieldefinierung ein wichtiger Baustein eines Coachings. Nun frage ich mich: Muss ich denn irgendwo ankommen? Muss ich von A nach B? Muss ich stetig wieder aufbrechen und weiterstreben? Ist das nicht die irrige Meinung, dass ennet dem Zaun das Gras grüner ist? Visire ich ein Ziel an, bedeutet das, dass die momentane Situation verbesserungswürdig ist. Und das Spiel beginnt:

 

Das Glück ist immer anderswo

 

«Wenn ich erst… in den Ferien bin, Wochenende habe, die Beförderung erhalten habe, mehr verdiene, ein Haus bewohne, mich selbst verwirklicht habe, mich erkannt habe, meinen Selbstwert aufpoliert habe, meine Schüchternheit überwunden habe…. dann beginnt mein Glück.» Indem ich immer wieder ein neues Ziel definiere und es anstrebe und dann erreiche (oder auch nicht), kann ich mein ganzes Leben verbringen. Das Glück scheint also immer anderswo zu sein, beim Ziel in der fernen Zukunft z.B.. Doch mir kommt da ein anderer Gedanke, ein anderes Bild, das mir besser gefällt: Wie wäre es, wenn mir das Leben das schickt und schenkt, was ich brauche? Es fliesst an mir vorbei, und ich darf vom Buffet nehmen, was mich anlächelt. Ich muss nirgendwo hin.

 

Ziele loslassen

 

Ich glaube, dass es nicht nötig ist, immer ein Ziel in der Zukunft anzustreben. Ich muss nichts. Ich darf auch einfach das Leben geniessen, etwas mehr sein und etwas weniger machen. Vor allem weil meine Erfahrung mir zeigt, dass erreichte Ziele kaum nachhaltig glücklich machen. Es spielt gar keine so grosse Rolle, ob ich mich in A oder in B einrichte. Mich nehme ich immer mit.

 

Meine langjährige Neugierde in den Bereichen Psychologie, Selbsthilfe, Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität zeigt mir, dass mehr vom Selben nicht unbedingt zum Erfolg führt. Durch das definieren eines Ziels zementiere ich, dass genau das mir fehlt und ich somit im Mangel bin. Schaue ich mich hingegen um, da wo ich bin, und entdecke, was alles bereits da ist, liegt das Glück oder zumindest sein beständiger kleiner Bruder, die Zufriedenheit, in greifbarer Nähe.

 

Alles Liebe, Barbara

  

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Kommentare: 1
  • #1

    claraRe (Freitag, 14 September 2018 11:25)

    Liebe Barbara, danke für deine Gedanken zum Ziele setzen. Ich bin gerade an dem Punkt mich zu fragen, ob es wirklich immer und immer und immer darum gehen kann, mir neue Ziele zu setzen. Deine Anregung, Ziele loszulassen nehme ich gern auf. Es spricht mir aus dem Herzen. Vielen Dank! Herzliche Grüße, claraRe