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Rosenduft

Ihr Herz war gebrochen. Gab es das überhaupt, ein gebrochenes Herz? Fühlte es sich nicht viel mehr wund an, wie eine innere, stumpfe Verletzung? Geprellt und geschlagen?

 

Die Sonne schien flach in das Zimmer, die Staubkörner tanzten im Lichtkegel und die Helligkeit zauberte einen honigfarbenen Glanz auf ihr Haar. Die kräuselnden Locken hatte sie zu Zöpfen geflochten, um sie zu bändigen und um Ordnung auf ihrem Kopf herzustellen. Eine Ordnung, die sie in ihrem Innern vermisste. Wirre Haare, die wie ihre wirren Gedanken zum Kopf herauswuchsen, konnte sie im Moment nicht brauchen. Sie sah sich im Zimmer um und ihr Blick fiel auf die dunkelrote Rose, ein letztes Geschenk von ihm. Samtene Blütenblätter formten ein Zentrum, das ihrem gesunden Herz glich. Sie schnupperte daran. Dann, als sie feststellte, dass ihr der Duft nicht gefährlich werden konnte und im Gegenteil sogar angenehm war, nahm sie einen tiefen Atemzug. Das sanfte Aroma füllte ihren Brustraum und veränderte etwas in ihrem Herz. Sie fühlte Heilung. Das Herz wurde durch das tiefe Einatmen sanft gestreichelt und konnte sich entspannen.

  

Das veränderte Körpergefühl liess neue Gedanken zu. Gerne wäre sie ans Meer gefahren. Und nun, allein hinfahren oder es bleiben lassen? Sie träumte von warmem Sand, der zwischen ihren Fingern durchrieselte, die Fülle der Blautöne von Meer und Himmel und der magische Übergang derselben.

 

Die mit stetiger Regelmässigkeit vorbeiziehenden Wolken. Auf dem Rücken liegend, der sonnenwarme Boden spüren, wissend, nicht von dieser Erde runterfallen zu können. Ein Seufzer bahnte sich den Weg und sie erteilte sich selbst den Segen, diese Reise zu unternehmen. Ein Lächeln stieg auf, zaghaft und fein umspielte es ihre Lippen. Doch bald wurde daraus ein perlendes Lachen, das aus den Tiefen ihres Innern aufstieg, und sie begann sich zu freuen. Auf die neuen Aussichten, und darauf, dass sie sich nicht hindern liess, sich Gutes zu tun.

 

Sie spürte, diese Reise konnte etwas verändern. Eine neue Umgebung wirkte auf sie zurück und würde auch ihr den Neuanfang erleichtern. Es gefiel ihr, sich vorzustellen, wie sie eigenständig in diesem ihr fremden Land unterwegs sein würde. Sie wollte spüren, wie der Wind an ihren Haaren herumzupfte, wollte sich wohlig im Meerwasser treiben lassen und die spritzenden Wassertropfen im Gesicht spüren. Die warmen Sonnenstrahlen würden ihr zerzaustes Innenleben beruhigen, die langen Spaziergänge ihren Geist klären und der Blick zum weiten Horizont würde in ihr andere Möglichkeiten entstehen lassen. Sie spürte die Anziehungskraft, die von dieser Vorstellung ausging und wusste, dies würde ihr die nötige Erfüllung bringen. Begeistert von dieser neuen Aussicht fühlte sie sich besser. Sie sagte sich, dass sie bald, sehr bald zu dieser Reise aufbrechen musste.

 

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