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Wie schwarze und bunte Kleidung wirkt

Die Wirkung von schwarzer Kleidung im grauen Alltag

 

Lasse ich meinen Blick morgens über die Menschen im Bus streifen, fällt mir auf, wie dunkel die Menschen angezogen sind und wie wenig lebensfrohe Farbigkeit verbreitet wird. Die dominierenden Farben sind Schwarz, Grau und Dunkelblau. Ich frage mich, was für dunkle, insbesondere schwarze Kleidung spricht. Auch mir war jahrelang die schwarze Farbe ein nötiger Schutz, sie hob mich auf, ich konnte mich in ihr und hinter ihr verstecken, und wurde trotzdem gesehen ohne entblösst zu sein. Ich konnte mich verkriechen wie in einem warmen Nest, das mich beschützt vor der rauen Welt da draussen.

  

Die Eigenschaften von schwarzer Kleidung

 

Schwarz dominiert, ohne sich in den Vordergrund zu drängen; diese unbunte Nuance hat Eleganz und Klasse, kann aber auch abweisend und verschlossen wirken. Auf jeden Fall bringt sie besondere Kleiderschnitte gut zur Geltung und wirkt auf verschiedenen Materialien und Texturen speziell gut. Sie lässt das Volumen kleiner, das Gewicht dafür aber grösser erscheinen. Das heisst, man wirkt schlanker in Schwarz, dafür aber gewichtsmässig schwerer. Es ist die Farbe der Kreativen, Künstler und Designer, aber auch von Rockern und Punkern. Zu schwarz greift man unbewusst, wenn man nicht weiter weiss und nichts falsch machen will. Oder man greift bewusst zu Schwarz und hüllt sich in dieses Statement, trägt Kleidung wie Architektur – ich denke an Christa de Carouge – und schützt sich mit diesem Auftritt vor allem Möglichen. Eine weitere Variante des Schwarzthemas ist auch, aus Gewohnheit und Einfallslosigkeit zu Schwarz zu greifen: Einmal damit angefangen, merkt frau, wie leicht sich Kombinationen machen lassen und wie gut alles zueinander passt. Schwarz kann sich dann wie ein Sog auswirken und einem immer wieder in seinen Bann ziehen. Die Besonderheit der schwarzen Kleidung liegt auf der Hand: Edel, erhaben und stilvoll zeigt sie Präsenz, ohne den Blick zu intensiv auf die Trägerin zu lenken. Ich werde wahrgenommen auf eine klare, aber unaufdringliche Weise. Ganz im Gegensatz dazu bunte Kleidung:

  

Die belebende Wirkung von bunter Kleidung in der Freizeit

 

Mit farbiger Kleidung wirke ich nahbarer und zugänglicher, auch weniger ernst und verspielter, ausser ich trage ein seriöses Dunkelblau. Farben versprühen aktive Lebenslust und spielerische Freude, sie setzen einen Eyecatcher und führen den Blick. Mit bunter Kleidung wirkt mein Auftritt freizeitlicher, die unbeschwerte Ausstrahlung drängt sich und die Trägerin in den Vordergrund. Vor allem die warmen Farben wie Gelbgrün, Gelb, Dotter und Orange wirken bewegt, extravertiert und rücken die Trägerin ins Rampenlicht. Gelb im Besonderen eilt der Trägerin voraus und begrüsst den Betrachter auf sonnige Weise. Ganz anders die kühlen Farbtöne wie Violett, Blau und Petrol. Sie lassen die Trägerin geheimnisvoll und eher introvertiert erscheinen. Die Tiefe dieser blauhaltigen Nuancen verströmen Ruhe, Ausgewogenheit und Zurückgezogenheit. Pink und Rot sind hingegen Signalfarben, die die Aufmerksamkeit geradezu einfordern und verkünden: Hört mir zu, ich habe etwas zu sagen. Sie geben der Umwelt ein klares Zeichen und frau wird gesehen damit. Ganz anders wirken da die Pastelltöne: Zart und fein betonen sie die feminine Seite der Trägerin und lassen sie lieblich und zuweilen etwas mädchenhaft scheinen. Die Leichtigkeit des Seins, das Elfenhafte und Ätherische kann mit diesen Schattierungen gut transportiert werden. Erdfarben wiederum zeugen von einem robusten und sportlichen Naturell, das die Verbundenheit mit Wald und Wiese zeigt. Diese Töne betonen die natürliche Seite in uns. Alle Schattierungen zwischen Schwarz, Grau und Weiss (unbunte Farben) dagegen wirken minimalistisch und machen Farbpausen, damit sich das Auge erholen kann.

  

Solisten schaffen ein Ungleichgewicht

 

Dauernd ausschliesslich eine Farbe zu tragen – sei das nun Schwarz oder einen Buntton – empfinde ich als so einseitig, als wenn wir täglich dasselbe essen würden. Farbe ist Schwingung, ist Energie, die uns nährt und uns auf einer feinstofflichen Ebene sättigt. Wir nehmen die Farbtöne durch unsere Augen, aber auch über die Haut auf. Eine zu konsequente Beschränkung auf eine Farbe mag einfach sein zum Kombinieren oder einem momentanen inneren Bedürfnis von uns entsprechen. Ich denke aber, dass Ausgewogenheit der Schlüssel zur Ganzheit und zum Wohlbefinden ist. Sich den Farben anzunähern kann eine besondere Aufgabe für uns darstellen, ich habe das selbst erfahren und stecke mitten in dem Prozess, Schwarz langsam aber sicher aus meinem Kleiderschrank auszuschleichen und Schritt für Schritt hellere Kleidung zu integrieren.

  

Eine praktische Reduktion

 

Es ist kann hilfreich sein, bei diesem Weg seinen Farbtyp zu kennen, um sich in der Vielfalt des Farbendschungels zu orientieren. Die Palette erleichtert einem, viele zueinanderpassende Kombinationen zu kreieren. Manch eine mag sich aber nicht einschränken lassen mit einer vorgefassten Auswahl an Nuancen, und will auf eigene Faust die Farbewelt entdecken und erobern. Auch das ist ein freudvolles Vorgehen, das die Trägerin aus dem Vollen schöpfen lässt. Es mag sein, dass in dem Fall weniger die Ästhetik als vielmehr die inneren Bedürfnisse zum Zug kommen. Diese können aber auch gedeckt werden wenn man seinen Farbtyp kennt: Mit bunter Unterwäsche in artfremden Farben, einem Wandanstrich aus einer benachbarten Palette oder schmeichelnder Bettwäsche. Eine Farbberatung ist also keine Einschränkung, sondern eine Konzentration auf das Wesentliche.

  

Das Fazit: Bunte Farben aus dem Farbkreis und unbunte Graunuancen von Weiss bis Schwarz haben ihren spezifischen Ausdruck und ihre Legitimation. Es macht Spass, sich gemäss den eigenen Bedürfnissen von diesem Buffet zu bedienen und sich von den Farben nähren zu lassen.

 

  

Alles Liebe, Barbara

 

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