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Warum Grau eine gute Wahl ist

Grau überlässt den Vortritt andern

 

«Grau steht allen Menschen.» Was für eine gewagte Aussage! Wie komme ich zu dieser Behauptung? Ich beobachte die Menschen um mich herum, im Tram, in der Stadt, in meinem Freundeskreis. Grau wird – nebst Schwarz und Dunkelblau – sehr oft getragen. Grau scheint demnach auch vielen Menschen zu liegen, sie fühlen sich wohl in der schlichten Farbe Grau. Was spricht also dafür, bewusst diese unbunte Farbe zu wählen?

 

Die Nuance hat eine bestechende Eigenschaft: Sie ist neutral. Sie bringt die Buntheit des Hauttons hervor und lässt Haare leuchten. Jede Farbe sieht neben Grau nach mehr aus, Grau ist die Farbpause und tritt in den Hintergrund.

  

Unterschiedliche Graunuancen

 

Doch welches Grau ist nun so ideal? Sicher gilt erst mal die Feststellung, dass es sehr viele unterschiedliche Grautöne gibt. Es gibt die neutralen Schattierungen, aber ein Grau kann auch von jeder beliebigen Farbe eine leichte Abtönung haben. Man spricht dann von einem warmen und einem kühlen Grau. Je nach Farbtyp stehen einem unterschiedliche Nuancen: Warmtonigen Typen steht ein warmes Grau gut. Ein Farbton also, der einen Hauch Orange oder etwas Dottergelb enthält. Einem Wintertyp steht die neutrale Graureihe, gemischt aus Schwarz und Weiss. Und ein Sommertyp kann alles, was Grau enthält gut tragen, so wie alle neutralen Töne zwischen Anthrazit und Milchweiss. 

 

Grau ist einfach

 

Bevorzuge ich eine schlichte und reduzierte Garderobe, ist Grau die beste und neutralste minimalistische Wahl. Im Gegensatz zu Schwarz und Weiss, die nur dem Wintertyp wirklich stehen, kann Grau jedes Gesicht angenehm unterstreichen. Es ist ausbalanciert vom Volumen und vom Gewicht, es wirkt weder gross noch klein, weder schwer noch leicht. Es lässt sich mit beinahe allen Farbtönen kombinieren, wenn man das möchte. Es kann je nach Schnitt und Material edel, elegant und vornehm wirken. Oder aber es wirkt schlicht, einfach und introvertiert. Es bietet einen zurückhaltenden Hintergrund und lässt die Trägerin und den Träger in den Vordergrund rücken. Grau ist unauffällig und stielt daher niemandem die Show. Weder anderen Farbtönen noch dem Menschen. 

 

Kritische Gedanken zu Grau

 

Was aber spricht gegen Grau? Manch ein Mensch möchte gerne seine extravertierte Art mit Farbe zum Ausdruck bringen. Vielleicht möchte jemand gesehen werden durch ein optisches Signal und steht gerne im Mittelpunkt. Oder jemand schätzt die Lebensfreude, die bunte Farben zum Ausdruck bringen. Oder Grau wird als zu schlicht zu trist, zu neutral, zu undefiniert empfunden. Auch im allgemeinen Sprachgebrauch kommt Grau nicht gut weg: Alles ist Grau in Grau, es ist gräulich, der graue Alltag und das grosse Grauen. Ich denke, dass sich hier das Unbehagen gegenüber dem Uneindeutigen spiegelt. Vielleicht macht auch das Chamäleon artige der Farbe Grau Angst: Sie färbt sich immer in der Komplementärfarbe ihres Nachbarn ein. Also wirkt ein Grau, das neben einem Orange steht, leicht bläulich.

 

Warum doch Grau?

 

Grau ist einen Basisfarbe und kann solo oder in Kombination mit Farben getragen werden. Es bringt  Pink oder Rot erst so richtig zum Leuchten. Farbwirkung lebt von Kontrasten, und die werden durch die Nachbarfarben gebildet. Grau hat Klasse und hat es nicht nötig, laut und vordergründig zu sein. Understatement ist seins, es klingt leise und dafür umso tiefer. Seine samtige Wirkung verleidet nie, da im Gehirn beim Betrachten von Grau kein Nachbild entsteht und sich so das Auge nie satt sieht. (Alle Bunttöne lassen ein Nachbild in der Komplementärfarbe entstehen und ermüden uns so.) Somit ist Grau eine gute Wahl für den Alltag, aber auch in seiner silbernen Ausprägung ein Glücksgriff für festliche Momente. Das Wichtigste sei noch mal betont: Es bringt das Gesicht in den Vordergrund und hält sich im Hintergrund. Denn schliesslich möchte ich gesehen werden, und nicht mein Kleidungsstück.

  

 

Alles Liebe, Barbara

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