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Wabi Sabi - perfekt unperfekt

Wabi Sabi als Lebensprinzip

 

Wie die Akzeptanz des Unperfekten das Leben leichter macht und mich Wertschätzung für Bestehendes empfinden lässt. Das Buch «Wabi-Sabi» von Beth Kempton gibt einen wunderbaren Überblick über diese Japanische Philosophie und motiviert, das Leben gelassener zu nehmen.

 

Wabi Sabi

 

Was meint dieser Begriff?

 

Wabi ist das Gefühl, das sich einstellt, wenn wir Schönes und Schlichtes entdecken. Es benennt die stille Zufriedenheit fernab der materialistischen Welt. Damit verbunden ist die Einsicht, dass unsere wahren Bedürfnisse recht bescheiden sind und wir dem Schönen, das bereits in unserem Leben existiert, Dankbarkeit entgegen bringen sollten.

 

Sabi benennt eine stille, tiefe Schönheit, die sich mit der Zeit zeigt. Es kann Patina, Verwittern und Anlaufen meinen, geschätzte Altersspuren, die Charakter und Ausstrahlung entstehen lassen. Sabi nimmt Bezug zum Kreislauf der Natur und macht diesen sichtbar. Es ist verbunden mit einer gewissen Melancholie und Sehnsucht.

 

Wabi Sabi als Gestaltungsstil

 

Bereits hier habe ich über den gestalterischen Aspekt des Prinzip des Wabi Sabi geschrieben. Das Wabi-Sabi-artige hat als Stilmittel viel mit dem gestalterischen Minimalismus zu tun, sind doch beiden eine reduzierte Formensprache und natürliche Farben und Materialien eigen. Damit Wabi Sabi in der Gestaltung entstehen kann, sollten folgende Punkte angestrebt werden:

 

Asymmetrie – Bescheidenheit – makelbehaftete Schönheit – Natürlichkeit – Schlichtheit

 

Wabi Sabi ist dezent, gefühlvoll, gelassen, genügsam, grob, organisch, rau und rustikal.

 

Gefühlvolle Schlichtheit als gelassen angestrebter Zustand

 

Das Buch von Beth Kempten gibt allerdings noch tiefere Einblicke. Es zeigt weitere Inhalte auf, die sich als besondere Lebensphilosophie verstehen lassen. Es geht da um das Vereinfachen und Verschönern, um ein  Leben im Einklang mit der Natur, das Akzeptieren und Loslassen und darum, den Moment wertzuschätzen, um nur auf einige Kapitel des Buches näher einzugehen.

 

Vereinfachen und Verschönern

 

Die genannte gefühlvolle Schlichtheit bedeutet, sein Zuhause auszumisten und liebevoll mit natürlichen Farben und Materialien zu gestalten. Es heisst auch, Ordnung zu schaffen und das wertzuschätzen, was wir bereits haben. Es wird ein übersichtlicher und schlichter Raum angestrebt. Das Loslassen und Verabschieden von Dingen wirkt sich auch auf unsere Innenwelt aus; negative Gedankenmuster und Gefühle, übertrieben Geschäftigkeit und veraltete Werte lassen von uns ab.

 

Leben im Einklang mit der Natur

 

Das Erleben von Wabi Sabi ist eine intuitive Reaktion auf die Schönheit der wahren Natur der Dinge. Es erinnert uns daran, dass alles immer im Wandel ist und nie perfekt in Sinne von «fertig» sein kann. Es lenkt das Auge auf das lebendige, echte Unperfekte, wie die Natur es uns zeigt. Daher ist der Aufenthalt in der Natur auch so eine kraftvolle Erfahrung und verbindet uns mit der Energie des Da-seins, so wie es nun mal ist.

 

Akzeptieren und Loslassen

 

«Die Dinge ändern sich. So ist das Leben.» schreibt Beth Kempton in ihrem Buch. Wabi Sabi lehrt uns, dass die Vergänglichkeit die natürliche Art allen Seins ist. Selbst wir verändern uns stetig, ob wir das wollen oder nicht, ob uns das bewusst ist oder nicht. Wie gehst Du mit Veränderungen um? Heisst Du sie willkommen und benutzt Du sie sogar, um unwirtliche Zustände baldmöglichst zu verlassen, ungeachtet der Aufgabe, die sie vielleicht für Dich bereit halten könnte? Oder stemmst Du Dich im Gegenteil gegen nötige Veränderungen und klammerst Dich an Altbekanntem fest?

 

Die Momente wertschätzen

 

«Perfekt» gibt es tatsächlich. Und zwar gibt es perfekte Momente in einer unperfekten Welt. Flüchtig huschen sie durch Dein Leben und lassen Dich Glück spüren. Es fühlt sich dann an, als ob Du in absoluten Einklang mit dem bist, was jetzt gerade ist. Du bist zeitgleich wie die Zeit, spürst ein «Ja» in Deinem Herzen und bist ganz im Moment. So ein Wabi Sabi Moment lässt Dich die natürliche Schönheit eines Augenblicks wahrnehmen, der umso wertvoller ist, da er vergänglich ist.

 

Aufmerksamkeit lenken – ein Wabi Sabi Moment

 

Abgerundet wird die erfüllende Lektüre von Beth Kempton unter anderem mit drei Denkanstössen:

 

Dinge, die ich nur wahrnehme, wenn ich die Augen schliesse.

 

Dinge, die ich in meiner Schatztasche aufbewahren möchte.

 

Dinge, die mein Herz aufgehen lassen.

 

 

Findest Du Deinen Wabi Sabi Moment?

 

 

Alles Liebe, Barbara

 

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