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Kreativität, der gestalterische Ausdruck und ein minimalistisches Leben

Wie schöpfen?

 

Kunstschaffen und Minimalismus passen für mich nur bedingt zusammen. Ich stelle diesen Gedanken in den Raum und teile hier meine Überlegungen dazu. Welche Voraussetzungen müssen für mich gegeben sein, damit ein Werk seinen Weg ins Leben findet und sich manifestieren kann?

 

Als Künstlerin brauche ich zwei Dinge

 

1. Klarheit: Das heisst ein ruhiges, leeres Umfeld, das meine Ideen aufnehmen kann wie es in Form eines minimalistischen Ateliers oder einer weissen Leinwand gegeben ist. Halte ich mich beim Kunst machen in einem zu lebendig gehaltenen Raum auf, zieht dies meine Aufmerksamkeit von meinen inneren Prozessen ab.

 

2. Fülle: Die Vielfalt gestalterischer Mittel, um genau dem Ausdruck verleihen zu können, das sich bei mir zeigen will. Das wird sichtbar in einer grosszügigen Palette von Malgründen, Pigmenten und Farbstiften. Ist meine Auswahl zu karg, minimalistisch eben, bin ich beschäftigt damit, Alternativen zum dem passenden Medium zu finden und falle so aus meinem Flow.

 

Wieviel ist genug?

 

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da musste ich die Grenzen des geringen Besitzes ausloten. Wie wenig ist noch genug? Ich reduzierte damit auch meine Malutensilien drastisch. Ich verschenkte Pigmente, Bindemittel, Malgründe, Kreiden und anderes mehr. Es blieben eine Kartonschachtel mit Polychromos Farbstiften und Papier, um wenigstens Zeichnen zu können. Und was dann? Mir begann die Fülle zu fehlen. Ich war eingeschränkt in meinem Ausdruck. Manchmal sollte es fliessen können; ich wollte mit wässeriger Farbe die ewige Veränderung von Gefühlen ausdrücken können. Ich spürte, ich bekam Bilderstau in mir, wenn ich nicht präzise und vielfältig künstlerisch schöpfen konnte. So schaffte ich mir erneut ein kleines Set mit Acrylfarben an, um auszuprobieren, wieviel es denn wirklich braucht für mein authentisches Kreieren. Inzwischen sind noch einige Töpfchen mit Farbe und weitere Produkte dazu gekommen.

 

Goldraum

 

Zurzeit arbeite ich mit Blattgold. Es entstehen neue Werke, die im Januar 2020 in die Ausstellung «Goldraum» münden. Dafür musste ich verschenkte Resten von früheren Schaffensperioden zurück erbitten (Danke Franz!) und neue Anschaffungen tätigen. Das fühlt sich richtig an für mich; es belastet mich nicht mehr, einige Utensilien mehr im Schrank aufzubewahren und dafür mehr Möglichkeiten zum künstlerischen Ausdruck zu haben. Wie so oft, wird die eigene Grenze erkannt, indem man sie überschreitet.

 

Wie bringst du schöpferische Fülle und Minimalismus in Einklang?

 

 

Alles Liebe, Barbara

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Kommentare: 1
  • #1

    Eva (Sonntag, 17 November 2019 11:50)

    Ich verstehe genau, was du meinst.
    Ich nähe gerne und viel für mich und Menschen, die mir sehr am Herzen liegen. Dafür brauche ich auch ausreichend Auswahl und bin oft froh, nicht wegen Kleinigkeiten sofort zum Stoffladen zu müssen. Bei mir ist es oft so, dass ich mir eh Samstag oder Sonntag einbilde unverzüglich ein bestimmtes Projekt umzusetzen.
    Dann ist es sehr schön gleich loszulegen.

    Vielen Dank übrigens für deinen sehr inspirierenden Blog.
    Ich bin über deinen Kommentar zu Christophs Minimalismus-ABC auf dich aufmerksam geworden und verfolge jetzt sehr gerne deine Einträge.
    Habe mich seitdem verstärkt mit meiner (z.T. selbstgenähten) Garderobe auseinandergesetzt und bin mir mit den Farben/Schnitten viel sicherer als vorher.
    Bin kein fleißiger Kommentar-Schreiber, aber heut war mir mal danach.
    Liebe Grüße aus Bayern
    Eva