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Das Glück nicht im Aussen suchen

Wissen und Fühlen sind zwei unterschiedliche Dinge

 

In vielen klugen Büchern habe ich gelesen, dass man das Glück nicht in äusseren Dingen findet. Was meinem Kopf spontan einleuchtete, konnte ich aber nicht wirklich in mir fühlen. Etwas zu wissen und etwas zu spüren ist bei weitem nicht dasselbe. Das hatte zur Folge, dass mein Verhalten und mein Denken nicht deckungsgleich waren. Ich suchte Vergnügen und Wohlbefinden, gute Gefühle und den Dopaminkick im Aussen und spürte enttäuscht, dass sich so keine dauerhafte Zufriedenheit und kein Glück ins Leben ziehen liesse. Im Gegenteil: Konsum und die Optimierung der äusseren Welt hatten Befindlichkeitsschwankungen zur Folge, die nur zu oft in einem regelrechten Kater mündeten. Mir wurde übel, wenn ich mich am Konsum überfrass, und konnte doch nicht aufhören damit.

 

Im Aussen verändern

 

Sehr oft musste ich diese Enttäuschung in der Vergangenheit erleben. Ich zog 26 mal um auf der Suche nach der für mich perfekten Wohnung. Ich optimierte mich und meinen Kleiderschrank alle paar Monate neu und meinte, dadurch ein besseres Lebensgefühl erzeugen zu können. Ich wechselte meine Bekleidung nach Farblust und -launen, bis ich mit dem Zahlen der Rechnungen nicht mehr nachkam. Ich mistete aus, bis ich nur noch knapp 300 Gegenstände besass. Ich kommunizierte meine Unzufriedenheit in meinen Liebesbeziehungen und konnte doch nichts zum Guten wenden. Ich war schnell bereit, etwas zu verabschieden und nach etwas vermeintlich Besserem zu greifen und dachte, ich sei gut im Loslassen. Dabei war ich auf der Flucht.

 

Natürliche Grenzen

 

Nun geht das nicht mehr. Das Leben hat mein Verhalten ausgebremst, die Realität setzt mir natürliche Grenzen. Ich suchte im 2019 ein ganzes Jahr lang mehr oder minder nach einer Wohnung und bekam keine. Ich habe kein Budget mehr, um meine Capsule Wardrobe optimieren zu können. Ich kann nicht noch mehr ausmisten, weil sonst mein Alltag nicht mehr funktioniert. Ich wurde in den letzten acht Monaten zwei Mal von einem Liebsten verlassen. So wurde ich brutal auf mich selbst zurückgeworfen.

 

Dafür bin ich dankbar.

 

Diese Begebenheiten verunmöglichen mir, mein Glück weiterhin im Aussen zu suchen. Es geht einfach nicht mehr. Ich muss mich gezwungenermassen mit dem aussöhnen, was jetzt in meinem Leben ist. Alles ist genau richtig so, wie es jetzt ist. Oder um es in den Worten von Byron Katie zu sagen: «Die Realität ist das Beste, was sich manifestieren konnte.»

 

Vor der Veränderung kommt das Annehmen

 

Es ist ok, wenn ich einer alten Gewohnheit folgen und bei Unzufriedenheit kaufen will. Es ist ok, das festzustellen, dann den Raum zwischen Reiz und Reaktion ausdehnen und nicht zu reagieren. Meine Wünsche, Ansprüche und Sehnsüchte darf ich zur Kenntnis nehmen, ohne ihnen Folge leisten zu müssen. Aussen zeigt sich nur, was im Innern ist. Mein lauter Nachbar spiegelt mir nur meinen eigenen Unfrieden.

 

Die Zwei ist caramellbeige

 

2020 sagt mir zu, ich mag die Zahl zwei. Sie hat eine caramellbeige Farbe für mich. Ich bin am 02.02. um 02:05 geboren. Ich glaube, in diesem Jahr ist möglich, was ich lange probiert habe und mir nicht gelungen ist: Die inneren, unguten Gefühle nicht mehr durch äussere Handlungen verändern zu wollen. Ich lasse vom Kaufen ab und bringe meine Finanzen in Ordnung. Ich bleibe in meiner Wohnung und bringe mein eigener Unfriede in Ordnung. Ich bleibe bei mir und lasse mein Gegenüber so sein, wie es ist. Ich akzeptiere, dass das Leben nicht perfekt ist. Das entlastet mich, gibt Raum und eine neue Freiheit.

  

Alles Liebe, Barbara

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