morgenseiten - 16. februar 2018

Morgenseiten: Tagebuch schreiben nach dem Aufstehen

 

Wer mich kennt, der weiss, dass ich seit vielen Jahren morgens rund eine halbe Stunde Tagebuch schreibe. Seit meiner Kindheit pflegte ich dieses Ritual, täglich aber erst seit 2002. Mein damaliger Beweggrund war, dass ich mir meine Träume notieren und so mehr über mein Unterbewusstsein herausfinden wollte. Vor einigen Wochen habe ich diese Routine unterbrochen, um mein manchmal einfältiger Gedankenfluss nicht mehr auf Papier zu bannen. Klar, so mache ich ihn mir bewusst, doch ich wollte mal sehen wie es ist, wenn ich über etwas anderes als mein Innenleben und meine Gedanken schreibe. So startete ich meinen Farb-Kalender im Dezember und schrieb täglich über Farben. Das war sehr erfüllend für mich und hat mir gut gefallen, so dass ich doch wieder zum Tagebuch schreiben morgens zurück kehrte. Der Grund ist auch, dass ich nach dem Aufstehen 20 – 30 Minuten vor meine Therapielampe sitze. Ein helles, kühles Licht, das mich vor einer Winterdepression bewahren soll. Ich setz mich also hin, in den hellen Lichtschein und beginne zu schreiben. Alles, was mir durch den Kopf geht, ab und zu was ich erlebt habe, selten meine Träume. Ich mache so sichtbar, was den lieben langen Tag von meinem Kopf gedacht wird. Diese endlose Denkerei, die uns oft gar nicht bewusst ist, hole ich ans Tageslicht und kann meinen Gedankenfluss betrachten.

 

So gesehen hat dies Ähnlichkeiten mit einer Meditation. Rein durch das Beobachten ändert sich im Laufe der Zeit eine Sache, mit den Gedanken ist das ebenso. Beim Sitzen betrachte ich meine Gedanken in einer anderen Weise, ich höre mir zu und schaue mir an, was aus meinem Innern aufsteigen will. Diese beiden Arten, meine Gedanken zu beobachten beruhigen mich, und ich schätze die Struktur, die mir diese zwei Dinge geben.

 

Schreibst du auch Tagebuch oder beobachtest deine Gedanken?

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selbstwergefühl * Selbstmitgefühl - 29. mai 2017

"Der Drang nach Selbstwertgefühl ist wie eine Sucht: Jedes Mal, wenn das Verlangen danach gestillt ist, hält die Zufriedenheit nur kurz an, und der Wunsch nach mehr regt sich wieder. Das erzeugt Stress statt Wohlbefinden, und die Energie wird nicht mehr in die Verbesserung der eigenen Leistung, sondern in die Verbesserung des Egos investiert. Es scheint, dass unser Antriebssystem (besser sein zu wollen als andere) und auch unser Alarmsystem (Angst, nicht anerkannt und sozial isoliert zu werden) über das Ziel hinausschiessen und dass wir uns keine Zeit mehr dafür nehmen, unser Fürsorgesystem zu pflegen. Wir werden von unserem Drang nach Perfektionismus und einem fieberhaften Streben nach immer mehr beherrscht.

Neuere Forschungen haben gezeigt, dass Selbstmitgefühl für unser Wohlbefinden wichtiger ist als Selbstwertgefühl"

 

Aus "Mitfühlend leben" von Erik van den Brink und Frits Koster

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vom glück des durchschnittlichen - 10. mai 2017

Willst du aus der Masse herausragen, musst du immer wieder besondere Leistungen erbringen. Das mag gut für das Selbstwertgefühl sein, für die Selbstannahme hingegen ist es das nicht unbedingt. Welch Glück ist es dann, sich in der Durchschnittlichkeit gemütlich einzurichten. Ich muss niemandem etwas beweisen, mir selber schon gar nicht, und darf mit dem zufrieden sein, was ist. Diese Entspannung gönn ich mir gerne. Dieser Drang, etwas Besonderes sein zu müssen ging mir je länger je mehr verloren, und ich geniesse diese Entlastung, die das mit sich bringt. Jeder ist etwas Besonderes, weil es jeden Menschen in seiner Art nur einmal gibt. Da das aber eben bei jedem so ist, ist das auch nichts Besonderes mehr. Nicht besonders hübsch, schlank, klug oder gebildet zu sein, nicht besonders künstlerisch talentiert oder erfolgreich oder sprachbegabt, ist behaglich und nimmt mir den Druck, irgendein Ziel zu erreichen und somit automatisch mit der aktuellen Situation unzufrieden zu sein.
Bist du gerne durchschnittlich oder bist du gerne etwas Besonderes?
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die farbe hat mich wieder! - 8. März 2017

Ich weiss nicht, ob es der kommende Frühling ist, oder das Bedürfnis, aus alten Gewohnheiten auszubrechen, jedenfalls: Die Farbe hat mich wieder! Nach einer sehr langen dunklen, nach innen gerichteten Phase, die mich wie ein Sog festhielt und es mir verunmöglichte, wirklich ins Neue zu schreiten, spüre ich nun nach einem jährigen Tanz mit Farbe und Nichtfarbe, dass mich das Schwarze zu verlassen beginnt. Das Unbunte hat mich losgelassen, mich frei gegeben. Nach monatelanger Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Thema, auch hier auf dem Blog, nimmt die Farbe langsam aber stetig wieder Besitz von mir. Ich mag sie wieder! Habe den Zugang zu der Farbe wieder gefunden: Da, spontan, lebendig. Es hat etwas lebensfeindliches, Farbe aus seinem Leben auszusperren. Farbe sind Gefühle, und diese lebendig sein zu lassen und nicht kontrollieren, glattkämmen, ausegalisieren und glattbügeln zu wollen, zeugt von Lebenskraft. Lange brauchte ich den Schutz und die Hülle des Schwarzen, schützend bewachte mich diese Nuance und wickelte mich ein in Geborgenheit. Nun luge ich langsam wieder hervor aus dieser dichten Umhüllung, kann mich mehr öffnen und will die Farbe fein dosiert frei und lebendig in mein Leben lassen. Das Geheimnis ist, die Farbe nicht kontrollieren zu wollen. Sie hat ein Eigenleben, ist nicht zu fassen und wandelbar. In dem Sinne ist sie einfach, wenn man sie nicht zu bändigen versucht.

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selbstkonzepte - 18. februar 2017

Wie weit sind Selbstkonzepte hilfreich und vereinfachen das Leben, und wie weit beschneiden sie mich in meiner Freiheit? Diese Frage stellte ich mir in den letzten Tagen öfter. Ich betrachtete, welche Gedanken ich mir über mich machte, mit welchen Vorstellungen und Bildern aus der Vergangenheit ich mein Selbstbild fütterte. Wer sagt mir, dass es nicht auch ganz anders sein könnte? Woher weiss ich, dass diese Dinge meine Identität ausmachen? Woher weiss ich, wer ich bin? Einerseits helfen mir meine Erfahrungen meine Werte zu definieren und dienen mir als Kompass im Leben. Ich weiss, was ich will und was ich mir nicht mehr geben muss. Andererseits verhindert ein allzu starres Denken neue, erfrischende Begebenheiten. Ich sehe also mein Denken durch selektive Wahrnehmung und individuelle Bewertung immer wieder bestätigt. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, ist aber auch einengend. Ich habe Lust, neue Erfahrungen zu machen, Dinge, Gewohnheiten, Meinungen von mir in Frage zu stellen und mein Erleben etwas aufzulockern. Ob damit mein Leben einfacher wird, weiss ich nicht. Seit einigen Tagen habe ich keinen TV mehr, und das gefällt mir. Es ist ein erster Schritt auf dem Weg, Bekanntes und Gewohntes in Frage zu stellen.

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optimierungszwang - 5. februar 2017

Immer wieder ertappe ich mich, wie ich dem Optimierungszwang erliegen will. Da wird verbessert und etwas angestrebt, perfektioniert und Ziele wollen erreicht werden. Alles dem Glück oder mindestens der Zufriedenheit zuliebe. Und habe ich umgesetzt, was meiner Meinung nach verbessert werden und mich glücklicher machen soll, geht das Spiel von vorne los und neue Absichten drängen in mein Bewusstsein, die ins Leben gezogen werden wollen. Seit längerem zweifle ich an diesem System und stelle es in Frage. Vereinfacht es mein Leben nicht entscheidend, wenn ich aus diesem Karussell aussteige und versuche anzunehmen, was jetzt nun einfach mal ist? Sich zufrieden geben, mit dem, was gut genug ist (Blogpost vom 19. Dezember 2016) und dem steten Streben nach Glück im Aussen nicht mehr nachgeben zu wollen? Sich von der Idee verabschieden, dass alles noch besser sein muss, sich auch mit weniger Gutem arrangieren zu können und das Leben als ein Auf und Ab zu begreifen? Schafft das nicht unendlich viel Entspannung und Freiheit, das Bestreben nach nur Gutem loszulassen? Vielleicht wird das Leben durch das Entwickeln von innere Stabilität einfacher, die mich unabhängig von äusseren Umständen durchs Leben trägt.

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was wirklich zählt - 20. januar 2017

Was ist es, was wirklich zählt? Stelle ich mir vor, dass ich in einigen Jahren auf den jetzigen Moment zurückblicke, scheint mir das, was mich jetzt bewegt oder ärgert, noch der Rede wert? Oftmals belasten mich Dinge, die mit Abstand betrachtet nicht mehr wichtig sind. Was zählt am Ende meines Lebens, was zählt im Augenblick? Ich habe immer nur den Moment um etwas verändern, geniessen, gestalten zu können. Ist ein Leben ein aneinanderreihen von Augenblicken im Jetzt?

Vereinfacht das mein Leben?

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unperfekttag - 11. januar 2017

Manchmal gib es Tage, da passt nichts zusammen. Die Haare wollen nicht, die Kleider sitzen nicht, das Tram geht ohne mich und alles in allem neige ich dann dazu, leicht gereizt zu reagieren. Da hilft es mir, den Tag zum „unperfekt-Tag“ zu erklären und mit Interesse und Neugierde zu schauen, was heute im Verlaufe des Tages noch so alles nicht passen will. Ich lasse meine Vorstellungen davon, wie es sein sollte los, und nehme es einfach wie es kommt. Eigentlich eine Haltung, die jeden Tag vereinfachen würde…

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grünes gras - 30. November 2016

„Ennet dem Zaun ist das Gras immer grüner.“

 

In den letzten Tagen denke ich daran, ob ich etwa wieder diesem seltsamen Phänomen erliege. Diese eigenartige Sache, dass das, was man nicht hat, einem begehrlicher erscheint. Stehst du dann auf der andern Seite des Zaunes, stellst du bald mal fest, dass das Gras genau gleich grün ist wie drüben. In meinem Fall sind das Überlegungen, ob ich (mal wieder) umziehen soll. Minimalistisch ist das nicht, alleine gut 50m2 zu bewohnen. Ich merke das daran, dass die Wohnung „locker sitzt“ und ich bei weitem nicht so viel Platz benötigen würde. Nun ist er da und ich nutze ihn einigermassen. Andererseits gibt es auch gute Gründe, hier wohnen zu bleiben wie Preis, Nachbarschaft, Ausstattung und eben: der zur Verfügung stehende Raum.

Ich kann mich nicht entscheiden und vermute, dass es nach einem Umzug nur anders, aber nicht unbedingt besser sein wird. Lohnt es sich, etwas umzusetzen, wenn es anschliessend nicht besser, sondern nur anders ist? Oder geht es nicht vielmehr darum, zufrieden zu sein mit dem, was ist, ohne immerzu dem Optimierungszwang nachzugeben? Ruhe ins Leben zu bringen und nicht beim kleinesten Jucken nachzugeben und die Situation verändern zu wollen? Spannungen auszuhalten und nicht sofort ins Handeln zu kommen? Wiederkehrende Themen allerdings wollen schon einmal ernsthaft angeschaut werden. Welches nun die richtige Strategie ist, muss individuell abgewogen werden.

 

Kennst du das grüne, lockende Gras auch?

 

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herz hören - 2. november 2016

Kennst du das? Du hast ein diffus ungutes Gefühl, du kannst deinen Widerwille nicht erklären und schon gar nicht rational begründen. Du weisst nur, du willst nicht. Was, sei hier dahingestellt. Du hast deutliche Empfindungen in deinem Körper, ist es ein Stein im Bauch, ein Kloss in der Kehle, weiche Knie oder ein schweres Herz, die dich darauf hinweisen, dass du gerade dabei bist, auf den falschen Pfad einzubiegen. Höre auf dich! Höre auf dein Herz, auch wenn du es weder beweisen noch erklären kannst. Sag einfach "Ich habe kein gutes Gefühl". Das muss als Begründung reichen. Im Nachhinein weisst du immer, warum du nicht gewollt hast. Es wird sich alles klären. Du kannst dir die Extraschlaufe sparen und auf deinem Weg bleiben.

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das leben leeren - 25. oktober 2016

Du hast aufgeräumt, entsorgt, verschenkt und ausgemistet in bester Minimalistenmanier. Du hast dich von all den Dingen getrennt, die du länger als ein Jahr nicht benutzt hast. Du bist in eine kleinere Wohnung umgezogen, hast vielleicht sogar deine Arbeitszeit auf 40 oder 50% reduziert, um Zeit zu haben für all die Sachen, die du wirklich liebst. Du hast nun Zeit in deinem Leben, die du füllen kannst mit Liebhabereien. Tja, aber du hast nun kein Material mehr um zu basteln, hast dich von deinem Musikinstrument getrennt, von deiner Sportausrüstung und den Stoffresten. Dein Malzeug – wegminimalisiert. Dann besucht dich ein grosses graues Tier mit struppigem Fell namens Langeweile, das deine Aufmerksamkeit will. Du sitzt in deiner kleinen, hübsch reduzierten Wohnung und hast Besuch, der Streicheleinheiten verlangt. Am besten ist es, sie ihm zu schenken in dem Wissen, dass das der einfachste Weg ist, dass sich der Besuch auch wieder verabschiedet. Im Anschluss danach beschäftigst du dich wieder mit spazieren, singen, tanzen, Freund treffen und all den anderen Dingen, die kein Material benötigen.

 

Kennst du die Langeweile?

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nichts tun - 29. september 2016

Erlaubst du dir, manchmal einfach nichts zu tun? Damit meine ich nicht meditieren, auch wenn das eine gute Sache ist. Nein, ich spreche vom Nichtstun. Nichts. Einfach sein, das Leben und deinen Körper spüren und realisieren, dass du im Moment lebendig bist. Atmen, und dich deiner selbst bewusst sein. Dich am Leben erfreuen. Dankbarkeit spüren dafür, dass das Herz unermüdlich schlägt und da ist für dich.

 

Ich fülle so je länger je öfter meine Pausen, in denen ich warten muss. Manchmal nehme ich mir auch bewusst heraus, nichts zu tun. Einmal ist das ein kurzer Moment des gewahr Werdens, das man ist. Ab und zu dauert so ein Moment auch länger, dehnt sich aus, entfaltet sich vor mir und macht mir in seiner Grösse Freude. Kreative Köpfe kennen das, der Heureka-Moment braucht Mussestunden und Zeit ohne Druck, die sich vor einem ausdehnt. So kann der Gedankenblitz, die zündende Idee, der künstlerische Funke entstehen und das Leben erneuern und bereichern.

Leerzeiten nicht immer füllen zu müssen vereinfacht das Leben sehr.

 

Wie hältst du es mit dem Nichtstun?

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