noch mehr reduzieren - 23. februar 2018

Ausmisten und der persönliche Wohlfühlmoment

 

Geht das? Kann ich meinen Hausrat noch mehr reduzieren, und mich gleichzeitig noch wohlfühlen? Im Herbst 2015 habe ich radikal ausgemistet und viele Sachen nach einer schlaflosen Nacht spontan an den Strassenrand gestellt. Ich verabschiedete mich von Regalen und deren Inhalt, CD Player, alle CD’s, dem Wasserkocher, dem grössten Teil meiner Bücher und etwa 2/3 meiner Kleider und vielem mehr, an das ich mich nicht erinnere und das mir nie gefehlt hat. Es sah vor meinem Haus aus, als ob jemand umziehen würde. Innert einigen Stunden war mein Hausrat verschwunden und dient jetzt anderen Menschen. Ich fühlte mich danach befreit und glücklich.

 

Inventar im Dezember 2015

 

Im Dezember desselben Jahres machte ich als Jahresabschlussritual ein Inventar, weil ich genau wissen wollte, wie viel ich noch besass. Ich zählte jedes Ding in meinem Haushalt durch. Jeden einzelnen Gegenstand nahm ich in die Hand, spürte nach und notierte ihn auf einem Blatt Papier. Das Ganze dauerte rund sechs Stunden, und danach war ich klüger: 1‘276 Gegenstände besass ich also. Mein Bilderlager mitgezählt, Verbrauchsmaterial in Küche und Bad ebenso. Geschätzt hatte ich im Vorfeld meinen Hausrat auf ungefähr 1‘000 Dinge. Im Gegensatz dazu bietet der Durchschnitt der Schweizer Bevölkerung rund 10‘000 Gegenständen ein Zuhause.

 

Der Umzug in eine kleinere Wohnung

 

Als ich im April 2017 in eine kleinere Wohnung umzog, liess ich noch mal einige Möbelstücke und deren Inhalt gehen. Ich verkaufte einiges auf Ricardo, anderes verschenkte ich. Und ich war ein häufiger Kunde beim Brockenhaus im Quartier. Vieles stellte ich auch an den Strassenrand, wie auch meine ganzen Balkonpflanzen, die bald ein neues Zuhause gefunden hatten. Nun bin ich beinahe ein Jahr in dieser 26m2 grossen 1-Zimmer-Wohnung, und ich habe noch nie bereut, meinen Wohnraum verkleinert zu haben. Im Gegenteil; ich schätze die überschaubare Situation, den geringen Zeitaufwand beim Putzen und das gemütliche Ambiente. In diesem knappen Jahr seit dem Umzug hielt ich mich an die Regel „eins rein – eins raus“, und so blieb mein Besitz in der ganzen Zeit etwa gleich gross.

 

Eine nächste Stufe der Reduktion

 

Angeregt durch das Buch „ Das kann doch weg!“ von Fumio Sasaki – das es übrigens in meine Büchersammlung von zehn Stück geschafft hat – habe ich noch mal gründlich meinen Hausrat beurteilt. Was mag ich wirklich so gerne, dass ich es bei mir haben will? Was gefällt mir, was finde ich schön und praktisch? Was will ich tun und welche Materialien benötige ich dafür? Wie soll mein Leben aussehen? Was ist mir wichtig?

 

Ich will formschöne und nützliche Gegenstände um mich haben. Ich will Malen können. Freiraum benötige ich ebenso wie optische Stille und eine ruhige Stimmung. Ich will weniger Zeit mit Konsum verbringen, weniger in die Höhle schleppen und weniger ausmisten müssen. Dafür Zeit haben für liebe Menschen und Spaziergänge in der Natur. Und für meine Herzensprojekte wie Kunst und Schreiben.

 

Was durfte also gehen? Mein Bettgestell: Ich schlafe auf einer Matratze am Boden, die ich gelegentlich wende. Zwei Klappstühle: Gefallen haben mir die nie so richtig, und auf den zwei Taburetts sitzt es sich sowieso rückenschonender. Zahlreiche weitere kleine Dinge verschenkte ich: Salatschleuder, Stativ, Kleider, Bettwäsche, Frottees, Locher und vieles mehr.

 

Schlicht schön

 

Heute habe ich meine Wohnung gründlich durch geputzt. Dann habe ich meinen Besitz noch einmal durchgezählt (allerdings ohne Verbrauchsmaterialien): 537 Gegenstände besitze ich aktuell. Inkl. Estrich mit Bilderlager (120). Im Badezimmer wohnen 18 Dinge, in der Küche 95. Das Schlaf- und Wohnzimmer schlägt mit 304 Sachen zu Buche, wovon 71 Teile zu meinem Kleiderschrank gehören.

 

Jetzt geniesse ich den freien Raum, die luftige Möblierung und die ruhige Stimmung. Es gefällt mir sehr, dieses minimalistische Wohngefühl.

 

 

 

https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/fumio-sasaki/das-kann-doch-weg/id/9783778792858

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neutraltöne - 23. dezember 2016

Von den vielen farblichen Interventionen, die ich für Kundschaft umsetzen durfte, blieb nicht ein Farbwunsch unbefriedigt. Manchmal überfällt mich eine kurze Farblust wie ein Fieber, nur um alsbald wieder vorbei zu sein. Nach all den Farbexperimenten haben sich die Neutraltöne heraus kristallisiert. Ich meine damit die Graureihe inklusive Schwarz und Weiss und alle Töne, die nur wenig Bunttonanteil enthalten wie Schlamm, Sand, Eierschale usw. Für mich persönlich habe ich die Eier legende Wollmilchsau für den Innenraum gefunden, die optimale Lösung nennt sich Greige und ist eine Umbranuance zwischen Grau und Beige. In einer hellen Ausprägung ist diese Farbe ein Schattenton des Weissen, mehr abgetönt entsteht ein trockener, kühler Sandton oder ein Warmgrau. Noch dunkler entstehen die bräunlichen Schlammnuancen, die edle Hintergründe für verschiedenste Möbel ergeben. Greige ist eine ideale Basis für beinahe alle Wohnstile, es wird einer Abschattierung des Raumes in einem farbergonomischen Sinne gerecht und lässt sich mit allen Farben kombinieren. Es gibt kein unschönes Farbenpaar mit Greige, solang der Hell/Dunkel-Kontrast genug gross ist. Ich lebe seit zehn Jahren mit mehr oder weniger hellen greigen Wänden und bin nach wie vor überzeugt von diesem Konzept. Wer Farblust ausleben will, kombiniert Bunttöne dazu, wer es zenmässig mag, schafft grosse Hell/Dunkel-Kontraste, Retrofreunde kombinieren diesen Ton mit einer gemusterten Tapete. Greige geht zum romantischen Stil im Shabby Chic Look, in tiefer Ausprägung verschafft es dem dramatischen Wohnen genug Dunkelheit. Der skandinavische Wohnstil kann mit dem Schattenton von Weiss umgesetzt werden und das gemütlich entspannte Wohnen findet sich im Sandgreige mit Holzmöbeln wieder. Dadurch, dass dieser Farbton einen geringen Bunttonanteil aufweist, verleidet er nicht so schnell wie gesättigte Töne, die einem bald einmal über sind. Greige lässt Raum für Akzente und wirkt im Hintergrund wie ein sanfter Begleiter. Einfach und pur, oder nicht?

 

Wer sich nun fragt, wie dieser Ton aussieht, hier eine Palette von hellen bis dunklen Umbratönen:

 

http://www.ktcolor.ch/de/farbtoene-und-farbkonzepte/farbtoene.aspx?pid=21

 

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wohnstil pur + natürlich - september 2016

Bereits in einem früheren Beitrag erwähnte ich den minimalistischen Wohnstil pur und natürlich. Doch wie lässt sich dieser umsetzen und eine entsprechende Stimmung in den Raum zaubern? Folgende Punkte finden idealerweise Berücksichtigung:

 

Diese Einrichtungsform wirkt eher durch ausdrucksstarke und natürliche Materialien und deutliche hell/dunkel-Kontraste als durch Bunttöne. Dieser Stil ist einfach und hat eine eindeutig klare und ungekünstelte Ausstrahlung. Ordnung und optische Ruhe sind bei dieser Wohnart sehr wichtig. Die Farben entsprechen Naturtönen, die Verteilung ist spannungsreich. Wichtig: Weniger ist mehr - aber das in bester Qualität.

 

Stimmung: einfach, rein, fassbar, edel, unverfälscht, natürlich, still, schlicht, ungekünstelt, hochwertig, schmucklos, bescheiden

 

Materialien: Leinen natur und entsprechend eingefärbtes, Hanf, strukturierte und glatte Baumwolle, Bambus, Wolle (-filz), neues und gealtertes helles oder dunkles Holz, Weide, nichtfarbige Keramik, Porzellan, Papier, mineralische Fliessbodenbeläge, matter und polierter Naturstein, Kieselstein, Bruchstein, rostiges und geschwärztes Metall, Bronce, matter Chromstahl, Gipsglattstrich, Kalk, Lehm, Tadelakt, Mineralfarbe, Ölfarbe

 

Muster: Unis, Ton-in-Ton Strukturen, feine Streifen

 

Verwendest du diese Sammlung als Leitfaden bei der Einrichtung, erhältst du einen minimalistischen Wohnraum. Kommen noch Reduktion, Ordnung und Sauberkeit zum Tragen, ist der schlichte, ästhetische Raum gelungen.

 

Welche Erfahrungen hast du mit minimalistisch Wohnen?

 

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minimalistisch wohnen - september 2016

Wie wohnt es sich reduziert und schlicht? Warum ist das überhaupt erstrebenswert? Ein schlichtes Wohnambiente wirkt beruhigend auf dich, du kannst dich von den unzähligen Reizen im Alltag erholen und zur Ruhe kommen. Eine reduzierte Umgebung hat zur Folge, dass du deine Aufmerksamkeit besser nach innen richten kannst und so deine eigenen, feinen Impulse deutlicher wahrnehmen kannst. So bist du näher bei dir und auf deinem Weg.

Dieser Frage bin ich in meinem beruflichen Alltag immer wieder aufs Neue nachgegangen. Folgendes konnte ich ausmachen, um eine reduzierte und trotzdem wohnliche Stimmung zu gestalten:

 

1. Reduktion

2. Sauberkeit

3. Ordnung

4. unterstützendes Farbkonzept (optional)

 

Reduktion: Werden die Gegenstände und Möbel auf das reduziert, was du wirklich regelmässig brauchst und tatsächlich liebst, verschlankt sich der Raum von selbst. Es steht kein unnötiger Kram mehr rum, da genug Stauraum vorhanden ist, um das meiste zu versorgen. So ist es auch leichter, sauber zu machen und einfach, Ordnung zu halten. Am besten wählst du einen festen Platz für jeden Gegenstand aus und versorgst ihn immer wieder am selben Ort. Die Augen können zur Ruhe kommen und ungehindert schweifen und sich in optischen Pausen ausruhen. Zur Farbwahl: Nebst Weiss, das einen puristischen und klösterlich-einfachen Effekt hat, kannst du für deine Wände und Möbel auch Nuancen mit einem hohen Grauanteil wie Greige wählen. Starke hell/dunkel-Kontraste geben Klarheit und dem Auge etwas zu futtern. Versuche, laute Bunttöne, Glanz und Muster zu vermeiden. Zum Material: Setzte auf Natürlichkeit und Qualität. Diese Oberflächen altern schön und werden je länger je lebendiger. Zeitlos bedeutet Nachhaltig.

 

Noch ein Wort zu Dekoration: Wähle Einzelstücke oder Arrangements, die dein Herz wirklich berühren. Weniger ist hier mehr, ein Blickfang sollte nicht überstrapaziert werden. Das minimalistische Wohnen wirkt durch Zurückhaltung und leise Töne. Setzt du diese Stilmittel bewusst ein, erreichst du einen puristisch und natürlichen Wohnstil, der ein stilles und minimalistisches Ambiente macht.

 

Und wie wohnst du?

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