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Herbstfarben: Die Pappel - lat. Populus


Das Wort "Pappel" stammt aus von pappeln, lateinisch für schwatzen, da die Pappel beim geringsten Luftzug mit den Blättern raschelt.

 

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Die erste Herbstfarbe, die mir in diesem Jahr auffällt, ist das gelb verfärbte Laub der alten* und grossen Pappel an meinem Weg ins Stadtzentrum. Sie steht am rechten Aareufer neben dem Altenbergsteg. Für meine Pflanzenpigmentsammlung sind verfärbte Herbstblätter interessant. Die Zeit der Blüten ist vorbei, die der Beeren gerade noch aktuell, und die der bunten Herbstfarben beginnt. Diese bezaubernden Verfärbungen waren es, die mich vor zwei Jahren aufriefen, aus ihnen Farben zu gewinnen.

 

*Gerne hätte ich den Umfang des Stammes gemessen und so das ungefähre Alter festgelegt. Doch der Baum steht dermassen am Hang, dass ich Bedenken hatte, auszurutschen und in der Aare zu landen. Falls du auch das Alter eines Baumes bestimmen möchtest: Umfang auf 1 m Höhe messen. Umfang auf 1.5 Meter messen. Durchschnitt nehmen und mal 0.4 rechnen. Et voilà!

 

Daher widme ich den bunten Herbstblättern eine neue "Farbenworte"-Serie. Um sich dem Wesen der Pappel anzunähern, hier einige Informationen:

 

Allgemeines

Die Pappel ist ein Weidegewächs, dessen Blätter sich im Herbst goldgelb verfärben und abfallen. Besonders gerne steht sie an einem Flussufer oder in Wäldern. Sie wächst sehr schnell, manche Sorten ein Meter pro Jahr. Das macht diesen Laubbaum für Alleen beliebt. Dieses schnelle Wachstum sorgt für ein elastisches Schwingen in der optischen Erscheinung, aber auch das zellulosereiche Holz ist flexibel und belastbar. Als Bildgrund ist Pappelholz ebenfalls geeignet: die Mona Lisa ist darauf gemalt. Pappeln werden je nach Art zwischen 100 und 300 Jahren alt. Die Höhe variiert abhängig von der Sorte zwischen 15 und 45 Meter. Wenn du Kreuzworträtsel löst, weisst du das: Der zweite Name der Zitterpappel ist Espe; bestimmt hast du schon die Redewendung "zittern wie Espenlaub" gehört. Das Aussehen der Pappel hat einen sanften Charakter mit beweglichem Kronenbild, das auch den abgeflachten, Blättern in Dreiecks- oder Herzform geschuldet ist. Allerdings gibt es da zahlreiche Blattformvarianten, sogar an ein und demselben Baum. Die Zellulosehaare der Pappelsamen wurden früher genutzt für die Herstellung von Edelpapieren. Die Knospen sind zudem für eine schmerzstillenden und entzündungshemmenden Tee nutzbar oder können in Salben verarbeitet werden.

 

Feinstoffliches

Die Pappel ist der Baum der Spiritualität. Die leichte Bewegung der Blätter symbolisieren Flexibilität und das Gehen mit dem Lebensfluss. Im alten Griechenland brachte man die Pappel mit der Unterwelt in Verbindung und pflanze sie deswegen gerne auf Friedhöfen an. Ihre Ausstrahlung ist friedlich und beschaulich. Die Pappel hat ein sensibles und empathisches Wesen. Sie weist uns auf die Themen Medialität und die Kommunikation mit der Geistigen Welt hin. Die Pappel kommt zu dir (oder du zu ihr), um dir feinstoffliche Botschaften zu übermitteln.

Wie berührt bin ich jetzt, dass genau eine Pappel meine Aufmerksamkeit als Erstes auf sich gezogen hat. Ich erinnere mich an dieses Channeling.

 

Duftiges

Nun soll es um eine sinnliche Wirkung des Pappelblattes gehen. Ich nehme dich mit auf die olfaktorische Reise, die es für uns bereithält: Es riecht krautig und grasig mit einer Heunote. Die Transformation des Baumes zum Winter hin ist in diesem Duft bereits zu erahnen. Es riecht nach Vergehen und sanfter Melancholie. Die Blätter verströmen ihre Essenz grosszügig und der Geruch ist deutlich wahrnehmbar.

 

Der Duftstoff des Pappelblattes ist in der Parfumherstellung bekannt. Allerdings ist es eine nicht sehr populäre Ingredienz, es gibt auf Parfumo.de gerade mal dreizehn Düfte, in denen die Pappel enthalten ist. Erstmals verwendet wurde sie 2008 im Damenduft "Beloved" von American Beauty (die Produktion wurde eingestellt). Der jüngste Duft (2021) wird als unisex bezeichnet und ist aus der The Bubble Connection: "Harmony Bubble". Der beliebteste ist "Steading" von Pineward mit überdurchschnittlicher Haltbarkeit, altmodischem Flacon und würzig-rauchigem Inhalt. Er wird auch als Unisexduft vermarktet und erinnert anscheinend an "By the Fireplace" von Maison Margiela. Er könnte mir gefallen.

 

Farbiges

Jetzt geht es um das Kolorit des herbstlich verfärbten Pappelblattes. Dieses leuchtet in einem intensiven Goldgelb und gleicht dem Farbton Goldocker von Kremer Pigmente. Auf dem Weg hin zu dieser Leuchtkraft zeigt es ein zitronig-grün gesprenkeltes Aussehen. Es verlässt den goldenen Höhepunkt, indem es an Wärme gewinnt und an Reinheit verliert. So entsteht ein warmes Sandbeige mit goldenem Charakter, das sich in der Trocknung noch verstärkt. Als gemahlenes Pigment behält es dieses Aussehen, gebunden dunkelt es nach.

Das Blatt selbst fühlt sich etwas ledrig, relativ fest und flach an. Ob es sich wohl zusammennähen lässt?

 

Ecoprints mit Pappelblättern zeigen interessante limettensenfgelbe Farben. Auch die Strukturen – Blattrispe und -rand – lassen sich auf Leinen übertragen. Und blieben sogar nach einer 60°C Wäsche erhalten, was mich erstaunte. Ein Farbbad aus geschnittenen Pappelblättern ergab ein lebendiges Senfgelb. Die violette Akelei küsst das Pappelblatt – was wohl für Farben aus dem Leinenröllchen springen werden?

  

Alles Liebe, Barbara

 

...und hier gehts weiter mit der Linde.


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